Über den Jakobsweg zu dir selbst: Die Magie des Pilgerns

Jakobsweg

Der Jakobsweg nach Santiago de Compostela ist ein Abenteuer. Wer sich aufmacht, diesen bekannten Pilgerweg zu gehen, begibt sich auf eine äußere wie innere Reise.

  • Mehrere Wochen…
  • Mehrere Hundert Kilometer…
  • Ein fremdes Land…
  • Eine fremde Sprache…
  • Eine unbekannte Route…
  • Jeden Tag eine andere Unterkunft…
  • Begegnungen mit fremden Menschen…
  • Zeit alleine in der Natur…
  • Körperliche Grenzerfahrungen…
  • Mentale Grenzerfahrungen…

Es gehört Mut dazu, die gewohnte Umgebung und seine Komfortzone für mehrere Wochen zu verlassen. Nicht zu wissen, was hinter der nächsten Kurve kommen wird, ist aufregend und beängstigend zugleich.

Man sagt, dass den Jakobsweg ein Zauber umgibt, eine Magie. Etwas, das seit vielen, vielen Jahren Hunderttausende von Menschen anzieht, sich für einige Wochen Dauer nur mit dem Nötigsten an Sachen bepackt auf eine beschwerliche Wanderung zu begeben.

Ich vermute, dass es noch mehr werden, denn das Bedürfnis und die Sehnsucht nach Sinn, Klarheit, Auszeit und Selbstbestimmtheit steigen in dieser reizüberfluteten Zeit immer mehr.

Jakobsweg: Selbstfindung, persönliche Entwicklung als Mann oder Frau, Auszeit

Jakobsweg2016 waren es insgesamt über eine Viertel Million Menschen, die das Ziel in Santiago de Compostela mit der weltberühmten Kathedrale erreicht haben.

Ich selbst habe 2014 zum ersten Mal davor gestanden.

In dem Jahr bin ich den Jakobsweg zum ersten Mal gelaufen und er hat meiner persönlichen Entwicklung einen ordentlichen Schub gegeben.

Viele Menschen, mit denen ich seitdem gesprochen habe, erzählen ähnliches.

Es gibt den Satz:

Einmal Pilger, immer Pilger.“

Denn der Weg begleitet dich weiter, auch nach deiner Reise. Manch einer sagt sogar: Der eigentliche Weg, die eigentliche Reise beginnt erst, wenn du wieder zurück bist, und anfängst, das Erlebte in dein tägliches Leben zu integrieren.

Inzwischen gibt es auch immer mehr Frauen, die sich alleine auf den Jakobsweg als Frau machen, und diese Erfahrung suchen, ähnlich dem Zulauf an Backpackern in Asien oder Australien.

Gründe, den Jakobsweg zu gehen

Die Gründe für diese Pilgerreise auf dem Jakobsweg sind unterschiedlich, die häufigsten Motive, wie ich in einer Umfrage 2016 unter den Lesern dieses Blogs herausgefunden habe, sind folgende (chronologisch geordnet nach Häufigkeit):

  • „Ich möchte mich selbst besser kennenlernen“
  • „Aus Abenteuerlust“
  • „Ich habe eine Trennung zu verarbeiten“
  • „Ich möchte lernen, alleine sein zu können“
  • „Ich pilgere aus religiösen Motiven“
  • „Ich möchte meinen Beruf und meine Berufung finden“

Es gibt viele Jakobswege: In Spanien, Portugal, sogar Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Der bekannteste Weg ist allerdings der Camino Francés. Danach kommt der Jakobsweg in Portugal (Mein Buch dazu hier), an dritter Stelle steht der Küstenweg (Camino del Norte) in Nordspanien (mein Buch dazu hier).

Jakobsweg

Foto: gronze.com

JakobswegHape Kerkeling ist den populärsten Jakobsweg, Camino Francés, gelaufen und hat darüber sein Kult-Buch „Ich bin dann mal weg“ geschrieben.

Auch Paulo Coelho und andere bekannte Namen haben sich mit dem Jakobsweg beschäftigt.

Der trotz Hollywood-Produktion durchaus tiefgang besitzende Film „Dein Weg“ hat den Pilgerweg vor einigen Jahren auch auf der Leinwand bekannt gemacht.

Auf den Spuren von Hape Kerkeling & Co.

Der bekannteste Jakobsweg Camino Francés (Pilgerführer hier) hat eine Route von über 800 Kilometern. Man benötigt durchschnittlich eine Dauer von 5 oder 6 Wochen, um den Jakobsweg komplett zu wandern.

Die JakobswegRoute verläuft von St. Jean Pied de Port, einem kleinen Örtchen im Nordosten Spaniens an der Grenze zu Frankreich, bis nach Santiago de Compostela im Westen, wie du auf der Karte nachverfolgen kannst.

Dieser Jakobsweg zeichnet sich vor allem durch sein dichtes Herbergsnetz mit vielen Unterkünften und sein „machbares“ Wegprofil aus, was den Weg für Neueinsteiger interessant macht.

Jakobsweg

Foto: gronze.com

Wie das abläuft auf dem Jakobsweg

Unterwegs übernachtest du in sogenannten Pilgerherbergen, das sind Unterkünfte, die speziell für Pilger gemacht sind. Für wenige Euro bekommst du hier ein Bett in einem Schlafsaal mit anderen Pilgern, sowie eine heiße Dusche und einen Tee.

Die Pilgerherbergen sind nur für Menschen mit Pilgerausweis geöffnet, damit sie für Pilger geschützt bleiben und nicht dem breiten Tourismus zur Verfügung stehen.

Tagsüber pilgerst du auf dem Jakobsweg, 20 bis 25 Kilometer pro Tag vielleicht, wenn man vom Durchschnitt ausgeht. Abends gibt es oft Zeit für Austausch in den Herbergen, Wäsche waschen, ausruhen und essen.

Jakobsweg

Kosten für den Jakobsweg

Die Kosten für den Jakobsweg sind vergleichsweise gering. Am teuersten ist noch der Flug hin und zurück (wobei du mit diesem Hilfsmittel günstige Flüge finden kannst) sowie die Ausrüstung für die Packliste. Das Pilgern an sich kostet dich vielleicht 25 Euro pro Tag. Wer sparsam ist, kann sogar mit weniger auskommen.

Pro Woche sind also 200 Euro ein realistischer Wert für die Kosten für eine Pilgerreise auf dem Jakobsweg. Wenn du 5 Wochen unterwegs bist, kannst du also mit 1.000 Euro Kosten rechnen für diese Zeit – plus Flug und Ausrüstung.

Jakobsweg

Was der Jakobsweg mit mir gemacht hat

JakobswegIch selbst bin 2014 zum ersten Mal den Jakobsweg gepilgert. Es hat mein Leben sehr stark verändert, denn es war meine erste längere Reise, die ich alleine unternommen habe. Ganz allein in einem fremden Land unterwegs zu sein konfrontiert dich mit vielen neuen, unbekannten Situationen.

Du wirst herausgefordert, auf Menschen zuzugehen, denn du kennst dich ja nicht aus. Anders als daheim, wo du dich auskennst, bist du nun quasi gezwungen, aus dir herauszugehen. Das ist nicht immer einfach, doch es lässt dich stark wachsen, und fördert deine eigene Entwicklung enorm.

„Dieser Weg wird kein leichter sein“

Sänger Thees Uhlmann hat in einem seiner Lieder einmal gesagt: „Dies ist kein Urlaub, dies ist eine Reise.“ So habe ich den Jakobsweg auch erlebt. Es war nicht nur Spaß, es war auch anstrengend, doch ich bin froh über die Zeit, Erfahrungen und Lerneffekte. Auf meiner allerersten Reise, im März 2014 auf dem Küstenweg, hatte ich mit einigen Dingen zu kämpfen:

  • Zu viel Gepäck
  • Der anspruchsvolle Weg
  • Das Allein sein
  • Meine Schüchternheit
  • Herausfinden & kommunizieren, wie viel Kontakt & Distanz ich möchte
  • Authentischer werden mit mir selbst & anderen

Je länger ich unterwegs war, desto freier wurde ich und habe mich mit jedem Tag und jedem Schritt und jeder Begegnung ein Stück weit mehr Freiheit erlaufen. Viele, die ich getroffen habe, haben ähnliche Erfahrungen gemacht. Ich glaube, eine Fernwanderung auf einem Weg wie dem Jakobsweg kann der Entwicklung zum eigenen Mannsein oder Frausein stark helfen.

Warum Pilgern so gut tut

Warum Pilgern so gut ist für die Entwicklung, liegt glaube ich vor allem an folgenden Gründen:

  • Zeit in der Natur: Anders als Menschen, ist die Natur so, dass sie nicht bewertet, daher tut es uns so gut, in der Natur zu sein und hilft uns in unsere Klarheit zu finden. Natur ist einfach, und lässt uns sein.
  • Bewegung: Wir sind super bewegungsfaule Menschen geworden, hocken ein Großteil der Zeit auf dem Sofa oder im Bürostuhl am PC, doch dafür ist der menschliche Körper nicht gemacht.
  • Tapetenwechsel & Zeit für dich: Der Jakobsweg bietet dir eine Auszeit, einen Schnitt. Du kannst Abstand zu deinem Alltag gewinnen. Dadurch ist es oftmals wesentlich leichter, herauszufinden, was du willst, was du nicht willst, was dich lebendig macht und was dich beschwert
  • Begegnungen: Wenn du einen oder zwei Tage mit einem anderen Menschen auf dem Jakobsweg verbracht hast, lernst du diese Person oftmals viel authentischer und ehrlicher kennen, als es bei einem Dutzend Treffen im Café zuhause der Fall ist, denn: Du erlebst hier was zusammen mit dieser Person, ihr betretet gemeinsam Neuland, seid automatisch aufgeschlossener, zumal, wenn ihr alleine gestartet seid

Jakobsweg

Dieser Text ist zugleich ein Beitrag zur Blogparade zum Thema Männlichkeit und Weiblichkeit von Sven und Martin. Viele Blogger haben an dieser Blogparade teilgenommen und ihre Gedanken dazu als Fußspuren im Netz hinterlassen. Interessante Beiträge findest du auch hier:

  • Box dich durch, Mann! von Christoph, der darüber schreibt, was Boxsport mit einem machen bzw. in einem wecken kann. Es geht dabei nicht nur ums Draufhauen und Agieren, sondern interessanterweise genauso auch ums Loslassen, also die Balance zu finden zwischen Anspannung und Entspannung – ein spannendes Thema, finde ich.
  • Was macht einen Mann männlich? Die Perspektive einer spirituellen Frau von Simone, die aus Sicht einer Frau über das Thema schreibt. In ihrem Text und Blog geht es auch viel um Partnerwahl  und sie kommt am Ende des Artikels zu der ebenso simplen wie dennoch oft gar nicht so leicht umsetzbaren Erkenntnis, dass man nur das von einem Partner erwarten kann, was man selbst ebenso vorleben kann. Ihre Fazit-Frage lautet daher: Kann ich meine Erwartungen an einen Partner selbst erfüllen?
  • Selbstwertgefühl stärken als Mann von Tim, für den Selbstwertgefühl bedeutet: Eine Akzeptanz, die an keine Bedingungen geknüpft ist. Was mir an seinem Artikel vor allem gefällt, ist die Ehrlichkeit, mit der er das Thema und auch sich selbst beleuchtet. Er sagt zum Beispiel richtigerweise, dass es keine Sofort-Lösung gibt, sondern es vielmehr um fortwährende Entwicklung in kleinen Schritten geht.
  • Ein einziger Moment von Gerhard, der über seine innere und äußere Entwicklung schreibt, und wie ein einziger Moment in ihm viel ausgelöst und seine Transformation in Gang gesetzt hat. Auch bei Gerhard geht es, ähnlich wie bei Simone, um das Thema Partnerschaft und Polarität, doch Gerhard zeigt auch, wie wichtig Selbstreflexion und Ehrlichkeit mit sich selbst für die eigene Entwicklung ist.
  • Hochsensibilität und Mann-Sein: Wie Du als hochsensibler Mann Dein ganzes Potenzial leben kannst von Oliver, der ein Thema anspricht, was bislang noch viel zu wenig beleuchtet wird, und wenn dann oftmals negativ assoziiertt: Hochsensibilität. Und Oliver geht noch einen Schritt weiter und wird spezifischer, indem er über Hochsensibilität als Mann konkret spricht und diesen oftmals nicht leichten Weg, das eigene Potenzial zu entfalten.
  • Männer verstehen, Frauen verstehen von Jan, der über seine interessanten Erkenntnisse zum Paarungsverhalten aus einem Buch über evolutionäre Psychologie schreibt, was sowohl Männern, wie auch Frauen helfen kann, sich selbst und das andere Geschlecht besser zu verstehen.

Wo kannst du nun weiter ins Thema Jakobsweg einlesen?

Fotos: Andreas Mutter, Christoph Erkens


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4 Gedanken zu „Über den Jakobsweg zu dir selbst: Die Magie des Pilgerns

  1. Hey,
    Ich verfolge deine Beiträge, die mich sehr begeistern, aber auch Ängste in mir hervorufen. Nun habe ich gebucht und am 7.5. wird es soweit sein.
    Deine mutigen Worte und die vielen Begegnungen, von denen du berichtest, überwiegen und Vorfreude macht sich breit.
    Vielen Dank für deine vielen Worte und Gedanken
    Beste grüße tini

  2. Pingback: Weiblich oder Männlich? Das Märchen der zwei Geschlechterrollen - Flirt University

  3. Pingback: Frauen hinterherlaufen? - Dein Anti-Nachlauf-Werkzeug

  4. Ich habe eine Frage die ich auf deiner Internetseite nicht gefunden habe oder vielleicht auch übersehen habe. Aber in meinen Augen durchaus Berechtigt sein könnte. Gibt es einen Richtwert für die Körperliche Kondition? Ich selbst habe mit 115(auf 190cm) durchaus übergewicht arbeite aber hingegen auch als Bäcker.

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