Camino Primitivo – der anspruchsvolle & wunderschöne Weg

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Camino Primitivo Beitragsfoto

Inzwischen habe ich fast alle der bekannteren Jakobswege auf meinem Blog vorgestellt. Ein „dicker Brocken“ fehlt aber noch, und den möchte ich dir heute mal etwas genauer vorstellen: Den Camino Primitivo.

Warum „dicker Brocken“? Weil man den Camino Primitivo vermutlich als den härtesten aller spanischen Jakobswege und sogar europäischen Pilgerwege bezeichnen könnte.

Wenn du dachtest, der Camino del Norte (dem dieser Blog hauptsächlich gewidmet ist) sei hart, dann mach dich auf etwas vielleicht noch härteres gefasst. 🙂

Der vielleicht härteste Jakobsweg der Welt

Der Camino Primitivo hat ein – auf gut deutsch gesagt – krasses Höhenprofil. Es geht stetig bergauf und bergab, und wieder bergauf und wieder bergab, und wieder… mehrere Hundert Höhenmeter pro Tag.

Der nordspanische Küstenweg bzw. Camino del Norte ist auch sehr anspruchsvoll, besonders auf dem ersten Stück nach Bilbao, und später auch immer wieder.

Vom Camino Primitivo sagt man aber, dass er durchgehend bergig sei. Und das ist vielleicht der Punkt, indem sich die beiden Jakobswege etwas unterscheiden. Denn auf dem Norte gibt es auch Passagen, die nicht so bergig sind.

Der Camino Primitivo auf der Karte

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Camino Primitivo ein herausfordernder Weg

Ein relativ kurzer Pilgerweg

Der Primitivo dagegen hat auf seiner Route dafür keine Zeit. Und das sage ich nicht nur aus Spaß. Denn ein Blick auf die Karte und Länge diesen „ursprünglichen“ (primitiven) Jakobswegs zeigt: Er ist vergleichsweise kurz.

Mit einer Gesamtlänge von 300 Kilometern ist der Camino Primitivo nicht mal halb so lang wie der Camino del Norte.

Du merkst, ich möchte dich sensibilisieren für das Wegprofil des Primitivo. Denn es ist kein Spaziergang, den man mal so eben nebenbei absolviert. Dieser Pilgerweg erfordert Ausdauer, Leidenschaft und Mut, sagt man.

Respekt vor dem Weg, aber keine Angst

Zugleich möchte ich dich auch nicht abschrecken. Denn wer den Weg ernst nimmt, sich vorab ein wenig in Form trainiert, gut ausgerüstet ist (Wanderstöcke bzw. Trekkingstöcke – hier erhältlich – halte ich hier für unverzichtbar!), der wird den Weg schaffen und es auch genießen.

Diesem Ziel entgegenkommen würde vermutlich eine Etappenplanung, die genug Puffer für Pausen und Off-Tage lässt, sodass der Körper sich erholen kann zwischendurch.

Das große englischsprachige Pilgerseite gronze.com beispielsweise teilt den Weg in ca. 14 Etappen ein, mit jeweils durchschnittlich 20 bis 25 Kilometern pro Tag.

Die Navigationsdaten, also den GPS-Track zum Camino Primitivo im GPX-Datenformat, habe ich beispielsweise hier im Internet als kostenlose Downloadmöglichkeit gefunden.

Camino Primitivo Wegweiser

3 Wochen schwitzen und Natur pur

Wer mehr Zeit hat, kann das Ganze noch ein wenig ausdehnen und kommt inklusive Erholungstage auf bis zu drei Wochen.

Unterkünfte und Herbergen gibt es auf dem Primitivo. Nicht in Massen, wie auf dem Francés, aber das ist auch kaum nötig, denn dieser Weg ist um ein Vielfaches weniger stark belaufen, als der „Kult-Jakobsweg“ Camino Francés.

Nicht jeder hat den Ansporn, drei Wochen lang sich die Berge hoch und runter zu kämpfen. Vielleicht liegt das auch ein bisschen daran, dass fast jeder erst einmal große Augen macht, wenn er das Höhenprofil sieht und leicht abgeschreckt ist.

Vergleichbar mit dem Küstenweg Camino del Norte?

Vielleicht zu abgeschreckt. Denn eine Pilgerin hat mir erzählt, dass der Primitivo für ihr Empfinden gar nicht so viel anstrengender war als der Camino del Norte. Sie ist beide Wege gegangen.

Auch der Erfahrungsbericht einer anderen Pilgerin aus unserem Interview-Buch zeigt, dass man auch allein als Frau den Camino Primitivo meistern kann. Ein weiterer schönen Erfahrungsbericht im Netz ist hier zu lesen.

Voraussetzung: Eine durchdachte Packliste für den Camino Primitivo

Ich würde sagen, wichtig ist dafür, dass man eine nicht zu schwere Packliste für den Camino Primitivo hat, ein angemessenes Tempo für die Etappen wählt und sich im besten Fall vorab bereits etwas fit macht.

Bei der Planung helfen tuen sicherlich auch die beiden gängigen Pilgerführer für diesen Weg: Entweder der „gelbe“ Outdoor-Führer (hier erhältlich) oder der „rote“ Rother-Führer (hier erhältlich).

Beide Bücher sind empfehlenswert und zählen zu den gängigen Reiseführern für diesen Weg. Es ist lediglich Geschmackssache, ob du das eine oder andere Buch favorisierst.

7 interessante Fakten zum Camino Primitivo

  • der Camino Primitivo beginnt in Oviedo und endet in Santiago de Compostela
  • mit 300 km Länge ist er in 3 Wochen machbar
  • theoretisch kann man vom Camino del Norte aus auf den Primitivo abzweigen
  • das sehr herausfordernde Höhenprofil des Weges macht ihn zu einem wenig begangenen Weg (nur 4% Anteil, ca. 15.000 Pilger)
  • der Pilger wird für seinen Schweiß und Einsatz mit atemberaubenden Ausblicken in einsamer Natur belohnt
  • der Primitivo mündet schließlich kurz vor Santiago in den Camino Francés
  • im Winter kann Schnee den Weg unpassierbar machen (Reisezeit Frühjahr bis Herbst)

Oviedo auf dem Camino Primitivo

Anreise zum Startpunkt: Viele Optionen

Hier tun sich gleich mehrere Optionen auf, je nachdem wo du wohnst und wie teuer die Flugpreise gerade sind (ich empfehle Skyscanner zum Preisvergleichen):

  • Nach Santander fliegen und von dort mit dem Bus nach Ovideo oder mit dem Zug
  • Nach Bilbao fliegen und von dort mit dem Bus nach Santander und von dort nach Oviedo
  • Mit dem Nachtzug über Paris nach Irun bzw Bayonne und von dort weiter nach Oviedo (sehr lange Anreise)
  • Nach Madrid fliegen und von dort mit dem Bus nach Oviedo
  • Nach Santiago fliegen und von dort mit dem Bus nach Ovideo
  • den Küstenweg bzw. Camino del Norte laufen und von dort auf den Camino Primitivo abbiegen

Falls du die erste Nacht sicherheitshalber vorbuchen möchtest, (was nicht zwingend notwendig sein dürfte), findest du via booking.com oder airbnb mit etwas Recherche und Glück vermutlich eine schöne und bezahlbare Unterkunft in Oviedo – der Stadt, die selbst einen Besuch wert ist.

Und du? Bist du den Camino Primitivo schon gegangen? Oder hast du vor ihn zu gehen? Ich freue mich über einen Kommentar von dir und eventuelle Ergänzungen zum Artikel.

Mit herzlichem Dank @Christiane für das Bereitstellen der Fotos!


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  1. Pingback: Warum es kein Wunder ist, dass der Jakobsweg 2018 einen Pilgerrekord markiert hat | Jakobsweg-Küstenweg

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