Küstenweg (Camino del Norte)

fishing boat in sunrise at Mediterranean sea

Kennst du Heinrich Bölls „Anekdote zur Senkung der Arbeitsmoral“? Diese berühmte Kurzgeschichte, wo ein sehr wirtschaftlich denkender deutscher Tourist verzweifelt versucht, einem spanischen Fischer das Glück zu erklären – obwohl dieser das längt gefunden hat, nämlich im Prinzip „weniger ist mehr“.

Und erinnerst du dich an das Setting der Geschichte? Ein verschlafenes, idyllisches Hafenstädtchen an der Küste Spaniens, wo nur die Möwen und das Meer zu hören sind. Ein Ort, wo man noch die Ruhe, den Mut & die Klugheit besitzt, das Leben zu genießen, ohne viel dafür tun zu müssen.

Der Küstenweg (auch Camino del Norte genannt) bietet tatsächlich solche paradiesischen Orte und Momente. Und das Beste und Überraschendste ist, dass dieser alte Jakobsweg noch zu den Geheimtipps unter den Pilgerwegen zählt. Aber: Psssst! 😉

startseitenhinweis

Ein Porträt in Bild & Ton:

Was der Küstenweg ist:

  • ein kleines Abenteuer (denn das Herbergsnetz ist nicht so dicht wie auf dem Camino Francés und in den Wintermonaten kann auch schon mal die ein oder andere Herberge dicht sein, was zu Improvisationen oder längeren Tagesetappen mit bis zu 30 Kilometern zwingen kann; wer sich drauf einlässt, wird feststellen, dass er gerade an solchen Herausforderungen wächst und flexibler wird und enger mit Einheimischen und Mitpilgern in Kontakt kommt – persönliches Wachstum garantiert!

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  • eine Chance, Spanisch zu lernen (denn viele Spanier in den kleinen Örtchen und Städtchen entlang der Küste sprechen kaum oder kein Englisch, geschweige denn Deutsch; man kommt auch so durch, wer jedoch Lust hat, kann hier ganz praktisch Spanisch lernen und direkte Erfolge sehen. Einen ausführlichen Artikel zum Thema Spanisch für den Jakobsweg findest du hier. Für Schnellentschlossene: Ich bin mit diesem Buch sehr gut zurechtgekommen: Langenscheidt Sprachführer Spanisch. Übrigens: Eine Ebook-Version zum Download ist im Preis inklusive. Alternative: Der renommierte Babbel-Online-Kurs, den ich empfehlen kann)
  • ein (weitgehend) ruhiger Weg (denn trotz Pilgerboom laufen noch immer über 70 % aller Pilger den bekannten Camino Francés; wer also etwas mehr Ruhe sucht, ist hier gut aufgehoben – bis auf die Monate Juli & August, wo es inzwischen leider auch auf dem Küstenweg sehr voll ist; besonders das entschleunigte Leben der Menschen, die hier ihre Heimat haben, wirkt sich sehr ansteckend und beruhigend auf Körper & Geist aus, die Menschen hier haben oft wenig zum Leben, doch ein Lächeln und ein herzliches Wort für den Reisenden fast immer)
  • eine körperliche Herausforderung (anders als der Camino Francés oder viele andere Jakobswege, verlangt der Küstenweg dem Pilger viel ab, es geht – vor allem auf dem ersten Teil bis Bilbao – viel auf und ab; es ist jedoch alles machbar, wenn du deine Etappen langsam steigerst und deinen Körper sich an das Laufen gewöhnen lässt. Natürlich hilft es auch enorm, einen nicht zu schwergepackten Rucksack dabei zu haben mit nur dem nötigsten.)
  • eine landschaftliche Schönheit (hier kann man wirklich noch über an Steilküsten gelegene Schafswiesen laufen und hat das Meer oftmals ganz nah bei sich zu seiner Rechten, dazu kommen malerische kleine Hafenstädte – der Küstenweg bezaubert mit seinem Panorama; allerdings hast du – besonders auf dem späteren Abschnitt hinter Santander – auch eine Menge Asphaltstraßen dabei, die zwar nicht stark befahren, aber auch keine Freude für die Füße sind.)
  • ganzjährig begehbar (wegen dem milden Küstenklima kann der Camino del Norte auch in den kalten Monaten noch gut begangen werden. Bedenken solltest du zwischen November und Februar allerdings, dass ein nicht geringer Teil der Herbergen dann geschlossen ist. Das bedeutet längere Etappen oder Ausweichen auf Pensionen und andere Unterkünfte)

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Was der Küstenweg nicht ist:

  • ein Selbstläufer (Der Küstenweg ist definitiv körperlich herausfordernd. Wer wenig flexibel ist, kein Spanisch lernen, keine großen Höhenmeter überwinden und nicht gerne längere Strecken alleine laufen möchte, sollte vielleicht eher auf einen anderen Jakobsweg wie den Camino Francés ausweichen. Hier findest du übrigens eine gute Übersicht über die verschiedenen Jakobswege. Trotz seiner Höhenmeter: Mit genügend Zeit und Ruhe und ist der Küstenweg auch für Ungeübte zu schaffen.)
  • ein durchgehendes Sonnenbad (das Wetter an der Küste schwankt schnell und kann selbst im Sommer sehr unbeständig sein – muss es aber nicht)
  • nur Wiesen, Berge & Meer (leider gibt es auf dem Camino del Norte auch viele Passagen entlang der Straße, „carretera“, wie die Spanier dazu sagen. Kilometerlang auf Asphalt zu laufen ist nicht unbedingt schön, aber nun mal Teil des Weges. Wer den Küstenweg gehen möchte, sollte das wissen)
  • englischsprachig (Wie bereits gesagt, sprechen die Einheimischen in den kleinen Dörfern an der Küste nicht immer englisch. Dennoch sind bisher alle immer irgendwie durchgekommen, und das wirst du auch. Natürlich ist es schöner, wenn man ein paar Worte versteht und sich ein bisschen mit den Menschen unterhalten kann. Im folgenden Artikel findest du mehr zum Thema Spanisch für den Jakobsweg.)
  • ein Massenpilgerweg (Abgesehen von den Monaten Juli und August, wo auch auf dem Camino del Norte Hochbetrieb herrscht, ist dieser Jakobsweg meist kein überlaufener Weg.)
  • langweilig (ich kenne niemanden, der diesen Weg bereut hat)

Der Küstenweg im grafischen Überblick:

Vorbereitung & Reiseführer

Einige Impressionen vom Küstenweg:

Eindrücke1

Eindrücke2

Eindrück3

Eindrücke4

Eindrücke5


 Weiterführende Artikel:

Und du?

Wenn du selbst den Küstenweg gehen möchtest, aber immer noch viele offene Fragen hast, helf ich dir gern bei deiner Vorbereitung im persönlichen Gespräch. Und wenn du den Küstenweg mit einer kleinen Gruppe und mir und dabei doch eigenständig erkunden möchtest, schau mal in die Rucksackreise zu Dir.

Buen Camino,
Unterschrift 001


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105 Gedanken zu „Küstenweg (Camino del Norte)

  1. Pingback: Den Jakobsweg mit dem Fahrrad oder e-bike bestreiten? | Jakobsweg-Küstenweg

  2. Pingback: Das war 2016 auf den Jakobswegen los… und was wird 2017 los sein? | Jakobsweg-Küstenweg

  3. Servus Chris! Wie wunderbar, dass ich auf deine Seite gestoßen bin!
    ich möchte im April die Nordküste entlang wandern. Wie schätzt Du das Wetter und die Strecke ein? Schaff ich die Route von Irun nach Santiago de Compostela in 3 Wochen? Ich bin sehr sportlich und scheu kein Schweiß und Müh´. Wenn nicht, wo wäre ein guter Ort um den Weg anzufangen, gibt es etwas, was ich keineswegs verpassen sollte?
    LG aus Wien und Danke für dein Engagement in jeglicher Hinsicht!

    • War schon auf 3 Jakobsweg en und mir haben diese stresser immer leid getan. Wenn man keine Zeit hat sollte man später beginnen mit ca 20 bis 25 km pro Tag auch wenn man sportlich ist denn das ist der Sinn. Entschleunigung wer es als sportliche Herausforderung sieht sollte bei Marathon mit machen …

  4. Hallo Christop, mich beschäftigt Folgendes: Ich bin im Sommer 16 von Santander nach Luarca gelaufen. Zunächst war mein Wunsch , im April 17 von Luarca nach Santiago zu gehen. Jetzt habe ich aber das großen Bedürfniss zunächst das Anfangsstück Irun- Santander zu laufen und erst später in einem 3ten Zeitraum die Strecke Luarca- Santiago. Mein Pilgerausweis ist also bereits ab Santander gestempelt. Kann das ein Thema sein bei den Albergen vorher, da es ja nicht die klassische Reihenfolge ist?
    Wie ist deine Einschätzung dazu? Dann noch: Hast du Infos bez. der Öffnungen der Albergen über die Osterfeiertage?

  5. Hallo Freunde vom Caminio (küstenweg) Ich binn den Küstenweg von Santander nach Santiago gelaufen
    Es bleibt mir den Teil von Irun nach Santander den ich hoffentlich im September laufen möchte
    Wer hat schon diesen Teil hinter sich und mir sagen kann , wie die Strecke ist schwierig… ??
    Albergue?? B Dank Ermanno

  6. Schon vor 10 Jahren ging ich den camino frances, vor kurzem die via de la plata – immer alleine – als nächtes möchte ich den camino del norte gehen. Bin überhaupt nicht ängstlich, hab aber erfahren, dass sich auf dieser Strecke Exhibitionisten herumtreiben und das ist dann als Frau schon unangenehm. Kann mir jemnnd infos dazu geben? Christine

    • Moin Christine,

      möchte Christoph nicht vorgreifen. Aber die Geschichte ist wahrescheinlich so ähnlich wie mit den „gefährliche“ Hunden.

      Gibt es überall. Begegnet man aber nicht unbedingt. Mir zumindest hat auf dem Küstenweg niemand seinen Schniedel unter die Nase gehalten.

      Dafür habe ich ein paar Hunde getroffen, die mich an etwas einsamen Tagen stückweise begleitet haben und sich ein paar Streicheleinheiten abholten.

      Beste Grüße

      Yves

  7. Hallo ihr Lieben
    Wir zwei Frauen in den besten Jahren, laufen den ganzen del Norte im Sept. bis Okt. Wir möchten aber in Hotels übernachten. Hat es da genug auf dem Weg ?
    Hat jemand Erfahrung damit?
    Liebe Grüsse
    Cornelia

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