Über das Glück der Freiheit & Spontaneität auf dem Jakobsweg

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Freiheit und Spontaneität auf dem Jakobsweg

Den Kopf frei bekommen. Das wünschen wir uns vermutlich alle. Eine große Sehnsucht, insbesondere in dieser so betriebsamen Welt.

Und genau hier kann der Jakobsweg meinem Empfinden nach ein großes Plus gegenüber manch anderer Wanderung haben.

Warum? Das möchte ich dir in diesem Text anhand einer Erfahrung von mir zeigen.

Pilgern ist mehr als nur Kilometer reißen

Ich habe zum Beispiel gemerkt, dass es mir manchmal gut tut, einfach ohne Beschäftigung und ohne Ablenkung eine Weile still in der Natur zu sitzen, am liebsten barfuß auf einer Wiese oder notfalls auf einer Bank.

20 Minuten, 30 Minuten, eine Stunde, das kann variieren. Es ist nicht immer leicht am Anfang, einfach da zu sitzen und das Nichtstun auszuhalten.

Doch nach den ersten Minuten wird es leichter und irgendwann kehrt dann manchmal eine angenehme Ruhe ein.

Rast in der Sonne

Rast in der Sonne.

Zeitdruck oder Freizeit?

Und mir ist bei manchen Wanderungen und Kurztrips aufgefallen, z.B. letztes Jahr auf dem Eifelsteig, dass es mir sehr viel schwerer fällt, überhaupt in diesen Zustand zu kommen, wenn ich die ganze Zeit im Hinterkopf habe, dass ich heute noch 15 oder 20 km vor mir habe.

Beim Pilgern auf dem Jakobsweg in Spanien (oder Portugal) kann das anders sein (kann, nicht muss). Denn mit etwas Glück habe ich dort eine Etappe erwischt, die mir viel Freiheit und Spontaneität lässt:

Manchmal kann ich tagsüber noch entscheiden und wählen, ob ich heute noch 6 km, 12 km oder 20 km gehe.

Bei Tagestouren in meiner Heimat oder Wanderwegen mit weniger guter Infrastruktur hast du diese Freiheit nicht immer.

Da werden die Etappen zwangsläufig oft vorher komplett durchgeplant. Ansonsten kommt man nicht mehr nach Hause oder in die Unterkunft.

Vorteil Jakobsweg: Viele Herbergen = viel Freiheit

Auf dem Camino ist das manchmal anders:

Dank der vielen Unterkunftsmöglichkeiten und dem dichten Netz an Pilgerherbergen kann viel Freiheit möglich sein. Das ist natürlich extrem schön, da man sich so nicht stressen muss:

Ich kann in aller Ruhe im Gras liegen und eine Pause machen, solange ich will, und die Sonne genießen, die Landschaft, oder meinen Gedanken nachhängen.

Und wenn mir danach ist, dann laufe ich irgendwann noch weiter bis Ort x), und wenn nicht, dann halt nur bis Ort y) oder z).

Landschaft auf dem Weg

Landschaft auf dem Weg.

Wohlgemerkt: Diese Freiheit kann möglich sein, muss aber nicht. Denn das gilt nicht zu jeder Jahreszeit und auch nicht auf jeder Etappe und nicht auf jedem Jakobsweg:

Wann & wo der Camino de Santiago dir am meisten Freiheiten gibt:

  • Am leichtesten möglich ist es wohl auf dem Camino Francés wegen des dichtesten Herbergsnetz
  • Manchmal möglich ist es auf dem Camino del Norte und Jakobsweg in Portugal
  • Eher möglich ist es zur Nebensaison, wo es nicht so voll ist
  • Weniger gut möglich ist es auf der Via de la Plata, wo die Herbergen weit auseinander sind
  • Weniger gut möglich ist es im (Hoch)Sommer auf den bekannten Wegen, da es sehr voll wird
  • Weniger gut möglich ist es auf deutschen Jakobswegen, weil hier oft nicht so viele Unterkünfte sind
  • Maximale Freiheit (aber auch mehr Gepäck) hast du, wenn du auf dem Jakobsweg ein Zelt mitnimmst

Was sind deine Erfahrungen diesbezüglich? Ich freu mich über einen kurzen Kommentar von dir dazu!

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9 Kommentare.

  1. Hallo Christoph, danke für deinen Beitrag. Ich bin 2018 den Camino France und den von Porto aus gegangen. Dabei habe ich mir leider einen Schienbein Knorpelriss weggeholt und musste sechs Wochen an Krücken gehen. Für nächstes Jahr würde ich gerne den France mit dem Fahrrad machen. Mir aber das Rad dort Vorort leihen. Hast du Erfahrung ob dieses möglich ist ?

    • Hallo Monika, das übersteigt mein Wissen. Ich vermute, dass es möglich sein wird, aber ab welchem Ort und wie, vermag ich nicht zu sagen. Wende dich dazu mal an das Pilgerbüro in Santiago oder St. Jean Pied de Port.
      Viele Grüße, Christoph

  2. Vielen Dank für deine immer wieder aufs Neue inspirierenden Berichte. Ich folge deinem Blog seit Mai 2018, nachdem ich damals nach Informationen zum Jakobsweg gesucht habe. Ich hatte schon vor vielen Jahre das Ziel, in meiner Pension den Jakobsweg ab Graz (dort ist mein Zuhause) zu gehen. Die Pension war da und eine langjährige Partnerschaft löste sich auf.
So habe ich im Mai 2018 meinen Rucksack mit Hilfe deiner Packliste gepackt und bin am 29. Mai 2018 in 24 Tagesetappen 632 km ab Graz über Innsbruck nach Imst in Tirol gegangen. Dort musste ich den Weg leider wegen eines gesundheitlichen Gebrechens unterbrechen. Am 26. August 2019 machte ich mich erneut allein auf dem Weg. Ich bin weitere 25 Tagesetappen und 580km ab Imst nach Genf gegangen.
Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, ohne Zeitdruck die Natur zu genießen , dabei freundlichen Menschen zu begegnen und nette Gespräche mit VermieterInnen von Privatzimmern, in Pilgerherbergen oder in Klöstern zu führen.
Corona hat leider meinen Plan für heuer, den Jakobsweg ab Genf durch Frankreich zu gehen durchkreuzt. Ich bin aber zuversichtlich, dass ich den Weg fortsetzen kann und irgendwann das Ziel Santiago de Compostela erreichen werde.
    Ich freue mich auf weitere interessante Berichte von dir.
    Liebe Grüße aus Graz

    • Hallo Helena,
      ich bin Stefanie aus Leibnitz, also von Graz nicht weit entfernt. Ich bin schon den Camino Frances und den von Porto nach Santiago gegangen – auch immer alleine. Meine Gedanken, den Camino del Norte noch zu gehen lassen mich nicht los. Ich bin bald 64 und irgendwie habe ich vor Anreise, Start …. ein wenig Angst. Vielleicht möchtest du auch irgendwann in nächster Zeit diesen Weg gehen ? Wie gesagt, ich gehe gerne alleine, aber habe immer Zweifel am ersten Schritt ….. Falls du mich einmal treffen möchtest bitte ich, dich unter meiner Mailadresse stefanie,sternad@aon.at zu melden.

      Liebe Grüße aus Leibnitz!
      Stefanie

      • Hallo Stefanie, mit 69 bin ich 2018 eine Teilstrecke des camino del norte gelaufen. Allein. Von Irun nach Cudillero. 290 km vor Santiago hab ich mich dann auf den Heimweg gemacht. (Die Familie ruft…) Bin dann von Aviles mit dem Bus nach Porto und von hier nach Bremen/Ryan Air. Unbedingt will ich diesen camino beenden. Aviles-Finisterre. Aus familiären Gründen ging es 2019 nicht, 2020 Corona…ABER:ich gebe nicht auf. 2021 hab ich in Kopf und Herz. Dann bin ich fast 72. Ich werde voller Elan und Mut gehen. ALLEIN. Denn das ist für mich das einzig Wahre. DENN: Du bist doch nie allein, wenn du es nicht willst.Überall triffst du auf Mitpilger/innen. Das ist immer schön, doch wenn du wieder allein sein möchtest, gehst du einfach mit einem freundlichen buen camino deinen camino allein weiter. Dies empfinde ich als etwas Großes unter Pilgern- allein sein dürfen aber nicht allein sein müssen. Trau dich, Stefanie! Buen camino!!

    • Hallo Helena, danke für deine Nachricht, das klingt super und ich wünsche dir, dass du den Weg bald weitergehen kannst! Buen Camino, Christoph

  3. Hallo ich folge deinem Blog schon Zeit 2018 und bin 2019 den Camino de France
    mit Krücken gegangen. Diese Erfahrung war für mich voller Inspiration. und durch das dichte Herrbergennetz gut zu meistern.
    Danke mach weiter so.
    Liebe Grüße aus Sailauf

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