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„Spinnt der jetzt total?“
Das denkst du dir vielleicht nun. 0 Tipps für den Jakobsweg – was soll das denn? Da kann der das doch direkt lassen mit dem Artikelschreiben!
Könnte er. Doch er möchte damit was sagen.
Mir ist eine Sache aufgefallen bzw. ich habe zuletzt noch einmal verstärkt den Eindruck bekommen: Inzwischen gibt es immer mehr Ratgeber zu jeder Sache auf der Welt.
Die Buchläden sind voll davon (auch ich habe kürzlich ein Taschenbuch für Jakobsweg-Anfänger herausgebracht). Doch nicht nur Bücher, auch Videos, Seminare oder Blogartikel, die dir sagen, wie das Leben läuft oder wie du den Jakobsweg gehst.
Jeder sagt dir, wie du es machen sollst, um es richtig zu machen und Erfolg zu haben. Und das gefühlt in allen Lebensbereichen. Ich bin auch einer davon in Bezug aufs Pilgern.
Ich habe den Eindruck das ist anstrengend – zumindest für mich als Informationsempfänger.
Jeder weiß, wie es geht
Es kann ja durchaus hilfreich, weise oder auch motivierend sein, sich Anregungen zu holen. In gesunder Dosis, und ich tue das auch.
Doch was in unserer Welt langsam läuft, ist nicht mehr wirklich gesund, und hat gravierende Folgen.
Das Konsumieren dieser ganzen Tipps und Vorschläge von außen kann Druck erzeugen. Wir denken, wir bekommen es ja gar nicht so gut hin wie die, die es vorgemacht haben. Dabei haben sie uns ja sogar gesagt, wie man es macht. Wir sind einfach zu blöd.
Und zweitens: Oftmals widersprechen sich die Vorschläge und Tipps sogar noch. Der eine schlägt das vor und der andere was anderes, sodass man am Ende vielleicht noch verwirrter als vorher ist und völlig verunsichert, wie man es denn jetzt nun machen soll.
Wir ignorieren das Wichtigste
Doch das vielleicht traurigste und wichtigste ist für mich der folgende Punkt: Durch den Fokus auf das Außen gerät das eigene Bauchgefühl immer mehr unter das Radar.
Wir verlernen auf unsere innere Stimme zu hören.
Wir verlernen, auf unsere so wichtige Intuition zu hören und horchen gar nicht mehr in uns selbst nach Antworten, erlauben uns kaum noch Fehler zu machen, zu üben, Mensch zu sein.
Was für sämtliche Lebensthemen gilt, gilt auch für den Jakobsweg. Und mit diesem Trend wollte ich brechen und daher dieser provokante Titel: 0 Tipps für den Jakobsweg.
Was ich dir hiermit sagen möchte, ist: Belese dich ruhig zum Jakobsweg, ich habe das auch gemacht.
Es ist nichts falsch an Artikeln wie „5 Tipps zum Gewicht Reduzieren der Packliste“ oder ähnlichem, und du wirst auch weiterhin solche Artikel auf meinem Blog finden.
Dafür bin ich hier, um meine Erfahrungen weiterzugeben und von meinen Reisen zu erzählen. Das ist mein Job hier als Blogger.
Gehe deinen eigenen Jakobsweg
Doch ich möchte auch sagen: Lies es mit einer gesunden Distanz. Such dir heraus, was dir gefällt und ignorier den Rest. Lies es und lass es dann wieder los, und vor allem:
Denn niemand ist du und niemand kennt dich so gut wie du selbst. Und du selbst weißt jetzt nicht einmal, wie es dir morgen oder übermorgen gehen wird.
Daher habe ich heute 0 Tipps für dich und mich selbst, nur den Vorschlag und die Erinnerung: Vergiss dich selbst nicht. Vertraue dir. Egal ob es um den Jakobsweg oder einen anderen Lebensbereich geht.
Also hol dir Inspiration und Informationen, doch sauge die Dinge mit einem gesunden Abstand auf, sodass du frei genug bist, deinen eigenen Jakobsweg zu gehen.
- Pilgere zur Hauptsaison auf dem populären Camino Francés oder pilgere zur absoluten Nebensaison auf dem Camino del Norte, wenn dein Bauchgefühl dir das sagt, entgegen aller Stimmen, die es andersherum vorschlagen
- Mach deine eigene Packliste und verändere sie nach Belieben, auch wenn das Ergebnis deutlich von meiner vorgeschlagenen Packliste abweicht (du kannst unterwegs ohnehin noch Sachen nachkaufen oder zurückschicken)
- Gehe alleine als Frau pilgern, wenn dein Herz dir das sagt, auch wenn deine Freundinnen dich ängstlich angucken bei der Vorstellung
- Pilgere nur 5 oder sogar ganze 45 Kilometer am Tag, wenn dein Körper dir sagt, dass das jetzt für dich genau das richtige ist, auch wenn der Etappenvorschlag 20 Kilometer lautet und deine Mitpilger die Stirn runzeln
- Sprich den Mitpilger/die Mitpilgerin an, der/die dir besonders sympathisch/unsympathisch erscheint und schaue, ob dein Bild von ihm/ihr stimmt oder nicht, und gib dem Leben eine Chance
Buen Camino!
PS: Hat dir der Artikel geholfen? Dann schau mal in meinen Kurs „Inneres Pilgern„, dort geht es genau um dieses Thema: Mehr deinen eigenen Weg zu gehen.
Autor: Christoph Erkens
Hola! Ich bin Christoph und teile hier meine Leidenschaft für das Wandern und den Jakobsweg mit dir. Seit ich 2014 zum ersten Mal pilgern war, hat mich der Camino nicht mehr losgelassen.
Hi, gute Gedankengänge 😀
0 Tipps für deinen Jakobsweg –
Ich dachte zuerst, das ist bestimmt ein Tippfehler. Aber als ich angefangen habe zu lesen, musste ich feststellen:
Ja, das alles stimmt definitiv!
Sehr gut auf den Punkt gebracht.
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