Camino Portugues Erfahrungen – Reisebericht von Nancy

Gastartikel & Erfahrungsbericht von Nancy von NancyCzaya.com

2019 bin ich als Frau alleine den portugiesischen Jakobsweg gepilgert. Ich war damals 24 Jahre alt und der Camino übte auf mich aus irgendeinem Grund eine Faszination aus, der ich unbedingt nachgehen wollte.

Ich informierte mich und fand sehr schnell den Camino Portugues, der mich aufgrund der kurzen Wegstrecke mit wenig zu überwindenden Höhenmetern, sowie der großen Beliebtheit bei Frauen ansprach.

Also bestellte ich mir kurzerhand einen Pilgerrucksack, kaufte Flugtickets und stürzte mich ins „Abenteuer Pilgerreise“.

Gastautorin Nancy auf dem Portugiesischen Jakobsweg
Gastautorin Nancy auf dem Portugiesischen Jakobsweg

Planung, Wegvariante & Zeitraum für den Camino Portugues

Tatsächlich habe ich mich gar nicht allzu lang im Vorfeld mit der Planung beschäftigt.

Ich las hier und da ein paar Blogeinträge, schaute mir Etappenabschnitte und -beschreibungen an und bestellte mir das Vorbereitungs-eBook von Dominik und Christoph „Camino Portugues für Anfänger“ und den beliebten Camino Portugues-Reiseführer von Raimund Joos (Das „gelbe“ Buch).

Ich war weder pilger- noch besonders wandererfahren zu der Zeit und bin auch vorher noch nie so eine weite Strecke zu Fuß mit viel zusätzlichem Gepäck gelaufen.

Karte des Camino Portugues ab Porto nach Santiago
Karte des Camino Portugues ab Porto nach Santiago

Meine körperliche Fitness würde ich als durchschnittlich bezeichnen. Im Nachhinein betrachtet würde ich sagen, habe ich die Reise sehr blauäugig gestartet und einfach darauf vertraut, dass schon alles gut gehen wird.

Bei der Planung achtete ich dennoch darauf, viel Zeit zur Verfügung zu haben und so buchte ich mir im Vorab den Hinflug nach Porto und den Rückflug ab Santiago de Compostela mit insgesamt drei Wochen Zeit dazwischen.

So war ich mir sicher, dass ich mich nicht stressen muss und, wenn es nicht anders geht, auch getrost einen oder mehrere Tage Pause unterwegs einlegen kann. Das gab mir Sicherheit und ich blieb entspannt.

Angekommen in Porto verbrachte ich hier einen Tag um die Stadt zu erkunden, was ich wirklich jedem empfehlen würde.

Schöne schmale Gasse auf dem Weg nach Santiago von Porto aus
Schöne schmale Gasse auf dem Weg nach Santiago von Porto aus

Danach startete die Reise und ich entschied Tag für Tag welche Strecke ich wählen und wie weit ich laufen möchte. Damit war ich extrem flexibel unterwegs und hatte so gut wie immer Glück damit.

Direkt am Anfang entschied ich mich die Küstenvariante entlang zu laufen und war begeistert über den toll ausgebauten, recht neuen Wegabschnitt am Meer.

Ich pilgerte die Küste Portugals Richtung Norden und kehrte entlang des Grenzflusses zwischen Portugal und Spanien zurück ins Landesinnere. Über die Brücke führte der Weg nach Spanien und von hier aus dann weiter durchs Land.

Meine Pilgerreise fand im Mai statt. Ich startete Anfang des Monats und brauchte insgesamt zwei Wochen bis Ankunft in Santiago de Compostela inklusive einem Tag Pause vom Pilgern, ungefähr nach Hälfte der Zeit.

Nancy ist den Küstenweg des Camino Portugues gewandert
Nancy ist den Küstenweg des Camino Portugues gewandert

Wegauszeichnung & Landschaft am Camino Portugues

Der Camino Portugues ist wirklich toll ausgeschildert und auch die etwas neuere Variante entlang der Küste ist wunderbar pilgerfreundlich angelegt.

Gelbe Markierungen findet man, wenn man die Augen offen hält, überall und unterwegs trifft man ebenfalls auf viele Mitpilger. Ich habe mich auf der gesamten Strecke kein einziges Mal verlaufen oder den Weg aus den Augen verloren.

Die Landschaft entlang des portugiesischen Jakobsweges ist größtenteils traumhaft und für mich war Mai auch die beste Reisezeit für den Jakobsweg, da die Temperaturen hier noch nicht zu warm waren und die Natur schon in vollen Zügen erwacht war.

Wander-Pause am Atlantik
Wander-Pause am Atlantik

Mir gefiel die erste Zeit am Meer sehr gut. In Spanien wurde die Reise dann „traditioneller“. Galizien ist außerdem eine wunderschöne Region und ich hatte viel Glück mit gutem Wetter während meiner gesamten Pilgerzeit.

Hin und wieder führten Wegabschnitte durch schattenspendende Waldgebiete, was sehr angenehm war.

Ich pilgerte durch authentische kleine Dörfer, vorbei an lokalen Wochenmärkten und Obstplantagen, durch tolle Stadtzentren und zu beeindruckenden religiösen Bauwerken – ein wunderbares Rundum-Sightseeing-Paket!

Natürlich gab es auch hin und wieder die eher weniger beeindruckenden Streckenabschnitte, aber auch das gehört dazu und wechselt sich gut ab mit sehenswerteren Etappen.

Markt in Portugal entlang der Route des Jakobswegs
Markt in Portugal entlang der Route des Jakobswegs

Unterkünfte & Weggenossen am Portugiesischen Jakobsweg

Meine Unterkünfte fand ich – bis auf eine Situation – immer problemlos am jeweiligen Pilgertag und hatte auch meistens Glück noch einen Platz bzw. ein freies Bett zu bekommen.

Ich schlief überwiegend in den typischen Pilgerherbergen mit großen Schlafsälen. Da ich mit einem sehr tiefen und festen Schlaf gesegnet bin, störten mich auch die teilweise bis zu 15 Zimmergenossen meistens nur wenig. Zum Schlafen hatte ich meinen eigenen Schlafsack für den Jakobsweg dabei.

Einzige Ausnahme während meiner Zeit auf dem Jakobsweg war ein Tag, indem ich wirklich Schwierigkeiten hatte eine Unterkunft zu finden. Ich glaube es lag ein einem Fußballspiel o.ä., was zu dieser Zeit in der portugiesischen Stadt stattfand.

Unterwegs auf dem Camino Portugues
Unterwegs auf dem Camino Portugues

Die dortige Pilgerherberge war bereits ab Mittag ausgebucht und auch Jugendherbergen und Co. hatten keinen Platz frei.

Da die nächstmögliche Ortschaft mit Unterkünften ca. 7-8km entfernt lag, musste ich kurzerhand „in den sauren Apfel beißen“ und mir ein Privatzimmer für die Nacht buchen, was ungefähr dreimal so teuer war, wie die sonstigen Pilgerunterkünfte.

Dafür wurde ich aber mit einem bequemen Bett und gutem Schlaf belohnt. Kurze Aufregung und Panik meinerseits, aber am Ende alles halb so wild und ich lernte zudem noch sehr nette Menschen – Pilger und Einheimische – kennen.

Wegbeschilderung auf dem Camino Portugues
Wegbeschilderung auf dem Camino Portugues

Allgemein lernt man sehr schnell Leute kennen auf dem Jakobsweg. Man merkt auch, ob jemand lieber alleine und für sich pilgern möchte oder froh ist über die Gesellschaft und einer kleinen Gesprächsrunde.

Dabei ist vielleicht ein wenig Fingerspitzengefühl gefragt, aber in der Regel funktioniert die Kommunikation oder eben auch Nicht-Kommunikation sehr gut auf dem Jakobsweg.

Ich traf auf sehr viele deutsche Mitpilger und viele ebenfalls allein pilgernde Frauen. Was mich erstaunte war eher die Tatsache, dass ich mit Abstand eine der jüngsten Pilgergefährten war.

Auf dem Jakobsweg gibt es keine Bewertung.

Das machte jedoch nichts, denn auf dem Jakobsweg gibt es keine Bewertung. Jeder ist gleich und alle haben ein gemeinsames Ziel: Ankommen in Santiago de Compostela – wenn auch die Hintergründe für eine solche Reise verschiedener wahrscheinlich nicht sein könnten.

Autorin Nancy in Pilgerkluft auf dem Camino
Autorin Nancy in Pilgerkluft auf dem Camino

Ich lernte auch immer wieder neue, tolle und interessante Leute in den Gemeinschaftsunterkünften kennen, da man am späten Nachmittag oder Abend meist genügend Zeit hat, für eine kleine Gesprächsrunde.

Oder man geht zusammen in einer benachbarten Pilger-Gaststätte mit entsprechenden Menüs essen und verbringt hier einen geselligen Abend zusammen.

Besonders gegen Ende des Weges ist auffallend, dass man immer wieder dieselben Menschen trifft, da man sich sozusagen schon ein bisschen „eingepilgert“ hat und in ähnlichem Rhythmus unterwegs ist.

Ich hatte für die letzten Tage eine „feste Gruppe“ zum Pilgern und auch wenn wir meist zu unterschiedlichen Zeiten in den Tag starteten und jeder in seinem eigenen Tempo unterwegs war, traf man sich trotzdem irgendwo unterwegs.

Oder man traf sich spätestens am Abend wieder in der nächsten Pilgerherberge, was zu einem schönen Ritual wurde und die Zeit sehr bereicherte.

Wenig Berge und wenig Höhenmeter hat der Jakobsweg in Portugal
Wenig Berge und wenig Höhenmeter hat der Jakobsweg in Portugal

Was würde ich beim nächsten Mal wieder so machen, was würde ich anders machen?

Ich glaube, ich bin sehr unvorbereitet in meine Pilgerreise gestartet, würde es aber trotzdem, wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte, wieder genauso machen, da am Ende, wie es das Sprichwort sagt, der Weg zählt.

Sollte ich mich auf eine weitere Pilgerreise in Zukunft begeben, habe ich natürlich mehr Erfahrung und kann anders planen und handeln.

Gerade für den portugiesischen Jakobsweg würde ich mich im  Nachhinein für andere Wanderschuhe entscheiden.

Obwohl ich meine langjährigen Wanderschuhe anhatte, waren diese für mein Gefühl einfach zu klobig und zu schwer und ich lief mir direkt zu Beginn Blasen damit.

Vielleicht hätte ich vorher besser mal was länger in Christophs Guide zu Wanderschuhen auf dem Blog geschaut.

Natürlich hatte ich mich im Vorhinein auch nicht informiert und noch nicht einmal Blasenpflaster oder irgendeine Creme dabei gehabt. Zum Glück habe ich das alles unterwegs gefunden und kaufen können.

Herausforderung minimalistisch packen für den Jakobsweg
Herausforderung minimalistisch packen für den Jakobsweg

Tipp: Du findest Christophs Jakobsweg Packliste hier inkl. Empfehlungen für Ausrüstung.

Mein Osprey Wanderucksack war bestimmt ein wenig zu schwer und ich würde beim nächsten Mal versuchen noch minimaler zu packen, wobei ich nicht sagen kann, dass ich wirklich etwas total Unnötiges dabei hatte.

Vielleicht kann man vorab auch einige Teststrecken laufen, aber das ist glaube ich Geschmacksache.

Ich habe es auch komplett ohne großartige Vorbereitungen geschafft, musste dafür aber eben auch das ein oder andere Wehwehchen in Kauf nehmen (inklusive eines geschwollenen Knöchels, der mich zwischendrin zu einem Tag Pause zwang).

Waldabschnitt auf dem Camino in Portugal
Waldabschnitt auf dem Camino in Portugal

Trotz der Erfahrung mit den ausgebuchten Unterkünften, würde ich wieder genauso flexibel und spontan unterwegs sein wollen.

Das ist aber eine Frage der persönlichen Einstellung. Ich glaube ich bin abenteuerlustig genug, um planlos in den Tag aufzubrechen.

Für Andere kann es aber wesentlich beruhigender und sicherer sein, bereits vorab zu wissen, wo man am Abend schlafen wird.

Ein guter Kompromiss für mich ist es, einfach direkt am Morgen oder am Abend zuvor schon die Unterkunft für die kommende Nacht zu buchen, so kann man trotzdem von Tag zu Tag entscheiden, hat aber dennoch die Sicherheit ein Bett am Abend vorzufinden.

(Das habe ich z.b. auch einmal an dem Tag nach meiner oben beschriebenen Erfahrung mit der Unterkunft gemacht).

Was ich auf jeden Fall unbedingt im Gepäck haben würde, ist der Pilgerratgeber/Reiseführer. In diesem ist wirklich jeder einzelne Wegabschnitt bis ins kleinste Detail beschrieben und man findet alle benötigten Informationen und viele hilfreiche Tipps darin.

Herrlicher Küstenabschnitt in Portugal
Herrlicher Küstenabschnitt in Portugal

Highlights & Pro’s & Con’s

Für mich persönlich wird die Pilgerreise auf dem Camino Portugues für immer eine bleibende und prägende Erfahrung in meinem Leben sein, auf die ich keinesfalls verzichten möchte.

Es waren einfach zwei-drei Wochen pure Entschleunigung und ich habe unterwegs tolle Menschen kennengelernt, viel gesehen und erlebt. Persönlich hat mich der Weg teilweise an meine Grenzen gebracht – körperlich als auch psychisch.

Ich durchlebte die verschiedensten Emotionen, kam viel zum Nachdenken, habe Schmerzen im gesamten Körper gespürt, aber auch ganz viel Freude und Dankbarkeit für teilweise so kleine und einfache Dinge.

Ein wirklich bewegender Moment war dann die Ankunft in Santiago de Compostela. Ich bin nach wie vor unglaublich stolz auf mich und blicke mit viel Demut zurück auf meine Pilgerzeit.

Was mir speziell am portugiesischen Jakobsweg gut gefällt, ist das einfache Streckenprofil und die Tatsache, dass man diesen innerhalb von nur zwei Wochen bequem laufen kann.

Dabei verbringt man in etwa gleichermaßen viel Zeit in Portugal, als auch Spanien und bekommt somit Einblick in zwei Länder und Kulturen entlang der Pilgerstrecke.

Meinen noch detaillierten Reisebericht findest du auf meinem Blog.

Pilgerin Nancy am Ziel des Jakobswegs
Pilgerin Nancy am Ziel des Jakobswegs

Tipp: Wenn du mehr zum Thema Jakobsweg erfahren möchtest, melde dich für Christophs kostenlosen 7-Tage-Emailkurs an.

Für deine Jakobsweg-Vorbereitung:

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