Zurück vom Jakobsweg – und dann?

zurück vom jakobsweg

4 Schritte, die Du nach Deinem Jakobsweg tun kannst

zurück vom Jakobsweg*Gastartikel von Christina Bolte*

Wahrscheinlich kennst Du auch dieses Gefühl, das Christoph in diesem Youtube-Video beschreibt und was er den Camino-Blues nennt: Die erste Zeit nach dem Jakobsweg.

Erst kürzlich hat auch Autor Stefan Albus dazu ein Buch veröffentlicht.

Nun, mir ging es nach meinem ersten Jakobsweg 2007 ähnlich und zugleich doch anders. Zum Jakobsweg war ich damals eigentlich eher zufällig gekommen.

Wie viele andere hatte auch ich das Buch von Hape Kerkeling „Ich bin dann mal weg“ gelesen, das ja inzwischen auch verfilmt wurde, und wie bei so vielen war es auch bei mir: Der Jakobsweg rief mich, und so machte ich mich auf den Weg. In meinem Fall war es der Camino Francés, später sollte dann noch der Camino Portugues folgen.

Vorbereitet war ich gut, war doch Planen und auf alle Eventualitäten vorbereitet zu sein damals ein elementarer Bestandteil meines damaligen Lebens.

Die erste Zeit unterwegs gelang es mir auch gut, meinen Plan „durchzuziehen“ und alle möglichen sich bietenden Gelegenheiten neue Lernerfahrungen zu machen oder neue Gewohnheiten zu entwickeln zu ignorieren. Bis ich dann später feststellte, dass ich mich auf dem Camino genauso verhielt wir sonst so in meinem Leben.

Dinge konnten passieren, auf die ich nicht vorbereitet war

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Zum Glück, sage ich heute, denn so konnten einige Dinge passieren, auf die ich alles andere als vorbereitet war. Damals (aus der Perspektive einer, wie manche sagen mögen, zielstrebigen „Karrierefrau“ aus einem effizienzgesteuerten Dax-Unternehmen) fand ich das allerdings alles ziemlich verwirrend.

Frührentner, die den Jakobsweg gehen? Sich Dinge beim Universum bestellen – was dann auch noch funktionierte? Sollte es etwa seinen Sinn haben, wenn der Körper wegen Krankheit die Einhaltung von Planungen nicht zulässt? Das stellte so manche meiner Sichtweisen auf den Kopf, und ließ mich auch nach meiner Rückkehr nicht los.

So kam ich zurück in meinen alten Job und hatte das Gefühl, komplett im falschen Film zu sein. Leider hatte ich damals niemanden, mit dem ich über meine Erfahrungen auf dem Pilgerweg sprechen konnte – etwas, das Christoph z.B. in seiner Rucksackreise zu Dir schon bewusst auf dem Jakobsweg anbietet.

Im Laufe der Zeit gelang es mir, die Erlebnisse vom Jakobsweg auch in meinem Alltag umzusetzen. Dabei haben mir die folgenden 4 Punkte geholfen:

  1. Schreib Dir nach Deiner Heimkehr auf, was Deinen Alltag am meisten vom Jakobsweg unterscheidet.

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Bei mir waren das damals mehrere Punkte: Einerseits die Herz-zu-Herz-Begegnungen und dass ich auf dem Camino nicht das Gefühl hatte, eine Rolle spielen zu müssen. Beides Dinge, die mir in meiner damaligen kopflastigen Konzernwelt völlig fremd waren.

Mittlerweile ist es mir gelungen, diese Aspekte weitestgehend auch in meinem heutigen Alltag zu leben, vor allem dadurch dass ich mein berufliches Umfeld änderte und mein privates erweiterte. Andererseits war es das Treiben lassen können, das spontane Dort-Bleiben-Können, wo es mir gerade gefällt.

Auch das war in meinem alten Arbeitsalltag nicht wirklich gefragt. Und heute: Nun ja, heute ist es zugegebenermaßen auch nach wie vor immer noch eine Gratwanderung zwischen Planung und Flexibilität einen zielgerichteten Alltag zu leben. Wenn man aber das große Ziel im Auge hat, kann das – wie ich auf dem Camino gelernt habe – ganz gut funktionieren.

  1. Du hattest auf dem Jakobsweg eine „Vision“? Prima, erinnere Dich auch in Deinem Alltag immer wieder daran.

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Auf meinem Jakobsweg hatte ich einen ganz besonders intensiven Moment. Der mich auch heute noch zutiefst berührt, wenn ich mich daran zurück erinnere**. Leider war dieser Moment nach meiner Rückkehr im Alltag wieder ganz schön schnell vor lauter Tagesgeschäftigkeit in Vergessenheit geraten.

Bis ich es mir zum Ritual machte, mich regelmäßig mindestens einmal in der Woche an diesen Moment zu erinnern und zu visualisieren. Wenn Du ein Foto von diesem Augenblick hast oder gut malen kannst, geht das ganz einfach, z. B. in dem Du dieses Bild als Bildschirmschoner oder  -hintergrund einrichtest oder es Dir an einen anderen Ort gut sichtbar an die Wand hängst.

Ganz wichtig dabei ist natürlich auch, dem Bild und dem, was Du damit verbindest, einen Titel zu geben. Zum Beispiel „Begegnung“ oder „Freiheit“ oder „Gott“ oder was es für dich ist.

Nun habe ich diesen Moment nicht mehr nur vor meinem inneren Auge, sondern sehe quasi auch den Weg dorthin schon direkt vor mir.

  1. Erinnere Dich an das, was der Jakobsweg Dir gespiegelt hat

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Das ist natürlich nun etwas unbequem. Bei mir waren das mehrere Punkte. Zum Beispiel das ewige Durchgeplant sein, was bedeutete, dass ich damals keinen (oder wenig) Raum für Unvorhergesehenes in meinem Leben hatte. Ein sehr labiles Gleichgewicht meistens, das schon durch Kleinigkeiten erschüttert zu werden drohte.

Darauf folgte dann nämlich häufig eine Phase des wilden Aktionismus, mit dem Ziel, die Situation vermeintlich wieder „in Griff“ zu bekommen. Das war auch nach meiner Rückkehr auch noch eine ganze Weile so, aber je mehr ich lernte, auf meine innere Stimme zu hören, desto besser ging es mit der Zeit.

  1. Setze Deine Erkenntnisse auch konsequent in Deinem Leben um.

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Oh je, jetzt wird noch unbequemer. Aber es muss ja nicht immer gleich sofort der große unmittelbare Schnitt sein, wie einen gutbezahlten Job hinzuwerfen oder sich von seinem Partner zu trennen (um mal zwei der etwas radikaleren Beispiele zu nennen).

Das könnte sich sonst unter Umständen als übereilt erweisen (hängt aber natürlich davon ab, wie risikofreudig Du insgesamt in Deinem Leben bist oder was Du glaubst, „verlieren“ zu können).

Häufig reicht es schon, wenn Du die eine oder andere Kleinigkeit in Deinem persönlichen Tun und Wirken veränderst. Vielleicht mal etwas öfter einen Moment innehältst oder was auch immer bei Dir bei den Fragen 1-3 heraus gekommen ist. Und dann setzt Du die nächste Kleinigkeit um, und dann… Du ahnst es schon: noch eine. Deinem Umfeld wird es auffallen.

Vielleicht nicht bewusst formulierbar, aber doch zumindest unbewusst. So entsteht auch in vermeintlich alten Settings die Möglichkeit für neue Begegnungen oder neue Lösungen, von denen Du vielleicht gar nicht erwartet hättest, dass es sie gibt. Oder das alte, nicht mehr passende Setting verabschiedet sich ganz von alleine von Dir.

Meine eigene „Vision“, die ich damals auf dem Jakobsweg hatte, hat mich damals ziemlich aus der Bahn geworfen – im Positiven wie im Negativen. Inzwischen bin ich ihr schon ziemlich nahe gekommen. Das Zauberwort dabei heißt dranbleiben, auch wenn das manchmal ein wenig Geduld erfordert.

christina-bolte1Autorenbeschreibung: Christina Bolte hat aufgrund ihres Jakobswegs ihr Leben Schritt für Schritt verändert. Es hat zwar eine Weile gedauert, bis sie ihren damaligen Job im Großkonzern an den Nagel hängte, dafür begleitet sie heute mit Begeisterung und Erfolg Menschen in puncto Gesundheit und Lebensneugestaltung. Auf ihrer Webseite www.weg-zurueck-ins-leben.de erfährst Du mehr über ihre persönlichen Beispiele und findest ihren „Weg-zurück-ins-Leben-Podcast“. Ihr Newsletter enthält ein 30-seitiges eBook mit Tipps für die Zeit nach dem Jakobsweg.

Titelfoto: Andreas Mutter


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2 Gedanken zu „Zurück vom Jakobsweg – und dann?

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