Küstenweg (Camino del Norte)

fishing boat in sunrise at Mediterranean sea

Der Küstenweg ist ein besonderer Jakobsweg in Nordspanien. In diesem Artikel stelle ich dir den Küstenweg (auch Camino del Norte genannt) mit allen wesentlichen Infos, Karte, Fotos und Tipps vor.

Der Küstenweg hat eine Gesamtlänge von 835 Kilometern. Er durchquert vier Regionen Spaniens und verläuft über weite Strecken in Nähe der Atlantikküste Nordspaniens. Sein Profil ist hügelig bis bergig.

Auf diesem Blog findest du auch eine Übersicht über alle Etappen des Camino del Norte. Dieser Artikel hier soll aber vielmehr ein allgemeines Porträt dieses außergewöhnlichen Jakobswegs sein.

Warum der Küstenweg eine besondere Magie ausstrahlt

Kennst du Heinrich Bölls „Anekdote zur Senkung der Arbeitsmoral“? Diese berühmte Kurzgeschichte, wo ein sehr wirtschaftlich denkender deutscher Tourist verzweifelt versucht, einem spanischen Fischer das Glück zu erklären – obwohl dieser das längt gefunden hat, nämlich im Prinzip „weniger ist mehr“.

Und erinnerst du dich an das Setting der Geschichte? Ein verschlafenes, idyllisches Hafenstädtchen an der Küste Spaniens, wo nur die Möwen und das Meer zu hören sind. Ein Ort, wo man noch die Ruhe, den Mut & die Klugheit besitzt, das Leben zu genießen, ohne viel dafür tun zu müssen.

Der Küstenweg (auch Camino del Norte genannt) bietet tatsächlich solche paradiesischen Orte und Momente. Und das Beste und Überraschendste ist, dass dieser alte Jakobsweg noch zu den Geheimtipps unter den Pilgerwegen zählt (wobei inzwischen schon mehr und mehr Menschen auf Alternativwege zum populären Camino Francés, wie diesen, ausweichen, das zeigen die aktuellen Pilgerstatistiken). Aber: Psssst! 😉

Hinweis Reisebericht Küstenweg

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Ein Porträt in Bild & Ton:

[youtube https://www.youtube.com/watch?v=Y3isaKuvqaU]

Was der Küstenweg ist:

  • ein kleines Abenteuer (denn das Herbergsnetz ist nicht so dicht wie auf dem Camino Francés und in den Wintermonaten kann auch schon mal die ein oder andere Herberge dicht sein, was zu Improvisationen oder längeren Tagesetappen mit bis zu 30 Kilometern zwingen kann; wer sich drauf einlässt, wird feststellen, dass er gerade an solchen Herausforderungen wächst und flexibler wird und enger mit Einheimischen und Mitpilgern in Kontakt kommt – persönliches Wachstum garantiert!

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  • eine Chance, Spanisch zu lernen (denn viele Spanier in den kleinen Örtchen und Städtchen entlang der Küste sprechen kaum oder kein Englisch, geschweige denn Deutsch; man kommt auch so durch, wer jedoch Lust hat, kann hier ganz praktisch Spanisch lernen und direkte Erfolge sehen. Einen ausführlichen Artikel zum Thema Spanisch für den Jakobsweg findest du hier. Für Schnellentschlossene: Ich bin mit diesem Buch sehr gut zurechtgekommen: Langenscheidt Sprachführer Spanisch. Übrigens: Eine Ebook-Version zum Download ist im Preis inklusive. Alternative: Der renommierte Babbel-Online-Kurs, den ich empfehlen kann)
  • ein (weitgehend) ruhiger Weg (denn trotz Pilgerboom laufen noch immer über 70 60% aller Pilger den bekannten Camino Francés; wer also etwas mehr Ruhe sucht, ist hier gut aufgehoben – bis auf die Monate Juli & August (und inzwischen teils auch Mai, Juni & September), wo es inzwischen leider auch auf dem Küstenweg sehr voll sein kann (wichtige Anmerkung: „voll“ in Bezug auf die Herbergsdichte, nicht in Bezug auf die absolute Pilgerzahl!); besonders das entschleunigte Leben der Menschen, die hier ihre Heimat haben, wirkt sich sehr ansteckend und beruhigend auf Körper & Geist aus, die Menschen hier haben oft wenig zum Leben, doch ein Lächeln und ein herzliches Wort für den Reisenden fast immer)
  • eine körperliche Herausforderung (anders als der Camino Francés oder viele andere Jakobswege, verlangt der Küstenweg dem Pilger viel ab, es geht – vor allem auf dem ersten Teil bis Bilbao – viel auf und ab; es ist jedoch alles machbar, wenn du deine Etappen langsam steigerst und deinen Körper sich an das Laufen gewöhnen lässt. Natürlich hilft es auch enorm, einen nicht zu schwergepackten Rucksack dabei zu haben mit nur dem nötigsten.)
  • Küstenweg T Shirts eine landschaftliche Schönheit (hier kann man wirklich noch über an Steilküsten gelegene Schafswiesen laufen und hat das Meer oftmals ganz nah bei sich zu seiner Rechten, dazu kommen malerische kleine Hafenstädte – der Küstenweg bezaubert mit seinem Panorama; allerdings hast du – besonders auf dem späteren Abschnitt hinter Santander – auch eine Menge Asphaltstraßen dabei, die zwar nicht stark befahren, aber auch keine Freude für die Füße sind.)
  • ganzjährig begehbar (wegen dem milden Küstenklima kann der Camino del Norte auch in den kalten Monaten noch gut begangen werden. Bedenken solltest du zwischen November und Februar allerdings, dass ein nicht geringer Teil der Herbergen dann geschlossen ist. Das bedeutet längere Etappen oder Ausweichen auf Pensionen und andere Unterkünfte)

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Was der Küstenweg nicht ist:

  • ein Selbstläufer (Der Küstenweg ist definitiv körperlich herausfordernd. Wer wenig flexibel ist, kein Spanisch lernen, keine großen Höhenmeter überwinden und nicht gerne längere Strecken alleine laufen möchte, sollte vielleicht eher auf einen anderen Jakobsweg wie den Camino Francés ausweichen. Hier findest du übrigens eine gute Übersicht über die verschiedenen Jakobswege. Trotz seiner Höhenmeter: Mit genügend Zeit und Ruhe und ist der Küstenweg auch für Ungeübte zu schaffen.)
  • ein durchgehendes Sonnenbad (das Wetter an der Küste schwankt schnell und kann selbst im Sommer sehr unbeständig sein – muss es aber nicht)
  • nur Wiesen, Berge & Meer (leider gibt es auf dem Camino del Norte auch viele Passagen entlang der Straße, „carretera“, wie die Spanier dazu sagen. Kilometerlang auf Asphalt zu laufen ist nicht unbedingt schön, aber nun mal Teil des Weges. Wer den Küstenweg gehen möchte, sollte das wissen)
  • englischsprachig (Wie bereits gesagt, sprechen die Einheimischen in den kleinen Dörfern an der Küste nicht immer englisch. Dennoch sind bisher alle immer irgendwie durchgekommen, und das wirst du auch. Natürlich ist es schöner, wenn man ein paar Worte versteht und sich ein bisschen mit den Menschen unterhalten kann. Im folgenden Artikel findest du mehr zum Thema Spanisch für den Jakobsweg.)
  • ein Massenpilgerweg (Abgesehen von den Monaten Juli und August, wo auch auf dem Camino del Norte Hochbetrieb herrscht, ist dieser Jakobsweg meist kein überlaufener Weg.)
  • langweilig (ich kenne niemanden, der diesen Weg bereut hat)

Der Küstenweg im grafischen Überblick auf der Karte:

[googlemaps https://www.google.com/maps/d/embed?mid=zsIYEgHj5q_4.kL2oy0kFjP6M&w=640&h=480]

Vorbereitung & Reiseführer

Einige Impressionen vom Küstenweg:

Eindrücke1

Eindrücke2

Eindrück3

Eindrücke4

Eindrücke5


 Weiterführende Artikel:

Und du?

Wenn du selbst den Küstenweg gehen möchtest, aber immer noch viele offene Fragen hast, helf ich dir gern bei deiner Vorbereitung im persönlichen Gespräch. Und wenn du den Küstenweg mit einer kleinen Gruppe und mir und dabei doch eigenständig erkunden möchtest, schau mal in die Rucksackreise zu Dir.

Falls dir der Artikel geholfen hat und du dich mit einer Spende bedanken möchtest, kannst du das hier tun.

Buen Camino,
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128 Kommentare.

  1. Hallo zusammen, bin gerade den Küsten und Nordweg gegangen. Es ist wirklich eine sehr schöne Landschaft. Allerdings würde ich zumindest die meisten Etappen nach Santander nicht ein zweites mal gehen. Einfach zu viel Asphalt und hartbefestigter Untergrund für meine Füße. Was sehr schade ist, der Weg mal von den Industriegebieten abgesehen doch recht schön verläuft. Besonders nett sind die Etappen direkt an der Küste, manchmal etwas abseits von eigentlichem Jakobsweg.
    Buen Camino

    • Nächstes Frühjahr plane ich, den Camino Portugues ab Porto zu gehen, eine für Anfänger gut geeignete Strecke, die auch teilweise am Meer entlang läuft. Auch dort soll es allerdings Straßenpassagen geben. Auf dem del Norte bin ich, der größeren Anforderungen des Weges wegen, bisher nur abschnittssweise unterwegs gewesen, im Rahmen meines Urlaubes an der Costa Verde. Es kommt auf meine sportliche Fitness an, ob ich mir das reguläre Pilgern auf dem Norte noch mal zutrauen werde.
      Aber in Nordspanien, Küste wie Berge, bin ich keinesfalls zum letzten Mal gewesen, ich liebe dieses wunderschöne Stück Europa, das vom internationalen Tourismus (noch) ziemlich unentdeckt ist. Es taucht nie in einer Urlaubsbroschüre auf – was ihm sichtlich gut tut. Und die deutschen Natururlauber kennen Irland, Schottland, Bretagne, Skandinavien und den Balkan – aber Nordspanien kennen sie normalerweise nicht. Als ich Bekannten erzählte, ich hätte meinen Urlaub in Asturien verbracht, wusste kein Mensch, wo auf dem Erdball sich dieses Land wohl befinden mag. Außer den Jacobspilgern natürlich.

  2. Hi,
    ich plane im Oktober den Küstenwanderweg zu gehen. Derzeit bin ich noch allein mit meiner Idee. Vielleicht findet sich ein „Mitwanderer“, zumindest für die ersten paar Tage. VG

  3. Pingback: Oh, mein Gott, es ist Herbst! (und: Die Heilkraft der Natur) | Jakobsweg-Küstenweg

  4. Äh jetzt bin ich aber verwirrt. In allen Blogs oder Berichten wurde der Küstenweg als einfacher zu gehen als z.B. der Camino Frances beschrieben. Was gilt denn nun ???
    Grüße

  5. Hallo Christoph
    Du hast wirklich eine tolle und sehr informative Seite kreiert, die mir schon sehr weitergeholfen hat. Ich habe jedoch noch eine Frage. Ich habe vor im Mai von San Sebastián nach Santander zu gehen und frage mich, ob es klug wäre ein Zelt mitzunehmen, falls es in den Herbergen keinen Platz mehr hat oder ich keine finde, oder ob es besser wäre schon von Anfang an die Reise mit allen Etappen so durchzuplanen, dass ich im Voraus fixe Plätze in den Herbergen buche.

    • Hallo Eliane, wie waren deine Erfahrungen, wie hast du dich letztlich entschieden?
      Wir brechen im August in Irun auf und haben etwas Sorge wegen der Herbergssituation. Hat jemand frische Erfahrungen aus den letzten Wochen? Waren die Herbergen sehr überlaufen? Kommt man im Urlaubsmonat der Spanier – im August – denn alternativ in Pensionen oder Hotels unter oder sind die auch meist überfüllt… Es wäre schade, wenn es zu einem Run wird, um möglichst noch ein Bett zu bekommen… Wir möchten die Landschaft und das Erlebnis auskosten – ohne Zeitdruck… Freue mich über deine und eure Erfahrungen von diesem Jahr!
      Vielen Dank und liebe Grüße
      Anna-Lena

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  7. Pingback: Warum es kein Wunder ist, dass der Jakobsweg 2018 einen Pilgerrekord markiert hat | Jakobsweg-Küstenweg

  8. Hallo Christoph,
    Ich habe eine Frage zu den Etappen. Ich bin nicht sicher ob ich den Küstenweg von Irun oder direkt von Bilbao aus starten soll. Für mich persönlich reicht das kürzere Stück aus . Aber falls der erste Abschnitt landschaftlich unverzichtbar ist würde ich doch ab Irun starten.
    Lg

    • Hallo Nadine, wann willst du den Camino del norte gehen? Ich will im April gehen. Vielleicht hast du Lust, ein bisschen mit mir zu schreiben.
      LG anna

    • Hallo Nadine
      Auf deine Frage ob ab Irun oder erst ab Bilbao loslaufen. Irun – Bilbao ist einer der schönsten Abschnitte auf dem Norte. Wir sind im ersten Jahr ab Bilbao und im zweiten Jahr ab Irun den Norte gepilgert. Würde wieder ab Irun los und dann die Etappe zwischen Gijòn und Aviles auslassen.
      Viel Freude und Gruss
      Juliette

  9. Weil hier in den Kommentaren mal davon die Rede war, möchte ich anmerken, dass es ziemlich unkompliziert ist ein kleines Ein-Personenzelt auf den Camino mitzunehmen. Meines könnte ich jedenfalls bequem in der Hand tragen ohne Gewichtsbelas-tung. So behielt ich den Rucksack für alles andere frei. Schlanke können auch zu zweit darin schlafen. Man sollte sich natürlich auch ein leichtes Exemplar aussuchen. Die Isomatte ließ sich problemlos am Rucksack feststellen und der Leichtschlafsack, den man in den Herbergen ohnehin braucht, passte uns untere Fach. In kühleren Nächten behielt man halt beim Schlafen Pullover und Hose an und eine dünne Decke hatte ich auch noch mit. Diese Ausstattung reicht so ungefähr ab Mai/Juni aus. Einen Campingplatz haben wir nie benötigt. Ein paar mal schliefen wir, etwas verdeckt, auf Wiesen und Waldstücken nahe am Weg. Da müssen sie einen erstmal entdecken, ehe sie Schwierigkeiten machen können. Das niedrige olivgrüne Zelt war gut getarnt. Einmal bot uns ein Barbesitzer sein Grundstück an. Die
    Einheimischen sehen es überwiegend locker und als Pilger hat man einen Bonus.
    Wir wollten uns einfach nicht unnötig abhetzen müssen, um es immer bis zur nächsten freien Herberge zu schaffen.
    Das war allerdings Galicien auf dem Portugues von Tui bis Santiago. Aber am Norte ist es bestimmt nicht anders. Der war uns für den Anfang zu sportlich anspruchsvoll.
    Ich kenne Asturien aber als schönes Urlaubsland, das ich immer wieder gern besuche.

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