Jakobsweg im Sommer: 10 Tipps zum Pilgern bei Hitze

Jakobsweg im Sommer

Deutschland seufzt diese Woche unter einer Hitzewelle. Vielleicht hast du dich auch gefragt: Wie sieht das eigentlich beim Pilgern im Sommer mit Hitze aus?

Daher nun ein paar Erfahrungen von mir sowie 10 Tipps zum Pilgern im Hochsommer. Eins vorweg: Ich bin kein Arzt oder Fachmann, ich gebe hier nur meine subjektiven Erfahrungen weiter. Womöglich ist vieles selbstverständlich für dich, dann bist du bereits gut vorbereitet :)

Auf welchen Jakobswegen es heiß werden kann im Sommer

Was die geographische Lage angeht, ist der Küstenweg / Camino del Norte übrigens ganz gut aufgestellt im Hinblick auf den Sommer. Durch die Nähe zum Meer herrscht hier ein angenehmes Klima, wo es selten stark über 30 Grad geht. Zudem kannst du dich beim Pilgern zwischendurch im Meer abkühlen. :)

Jakobsweg Abkühlung Sommer

Ähnliches gilt natürlich auch für den immer beliebter werdenden Küstenweg des Camino Portugues.

Der populäre Camino Francés wiederum durchquert auf seinen 800 Kilometern ganz verschiedene Regionen, daher wirst du unterwegs auch mit verschiedenen Wetterbedingungen zu tun haben.

Der einzige Jakobsweg, der im Hochsommer wirklich nur mit Vorsicht zu genießen ist, wäre die Via de la Plata. Denn dieser in Südspanien startende Weg ist besonders auf dem ersten Stück natürlich sehr sehr heiß, zumal es wenig Schatten unterwegs gibt.

Dass es generell im Sommer auf dem Jakobsweg voll ist, weißt du ja bereits aus den Pilgerstatistiken. Die länderübergreifenden Sommerferien laden einfach viele Menschen dazu ein, in dieser Jahreszeit pilgern zu gehen.


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Doch nun, lass uns starten mit einigen Tipps, wie du gut mit Hitzetagen auf dem Jakobsweg zurechtkommen kannst:

10 Tipps für das Pilgern im Hochsommer

1. Früh losgehen

Am besten du gehst, wenn du weißt es wird heiß, früh los. Mach’s nicht so wie ich und trödle lange herum, trink noch gemütlich 2 Kaffees im Dorf. Denn dann kann es schnell mal 10-11 Uhr werden, ehe du loskommst. Und dann wirst du die Sonne richtig spüren, weil du genau in die Mittagshitze läufst.

Ein weiterer Vorteil des frühen Loslaufens ist, dass du mit größerer Wahrscheinlichkeit in der Herberge auch ein Bett bekommst. Ein Nachteil des früheren Loslaufens kann übrigens sein, dass du ggf. vor deiner Herberge noch warten musst. Manche Herbergen machen erst am frühen Nachmittag auf, hier hilft vorab ein Blick in den Pilgerführer.

Womöglich ist Zelten auch eine Option für dich, falls du ein echter Outdoor-Typ bist und wenig Lust auf die manchmal stickigen Schlafsäle auf dem Jakobsweg hast. Das senkt zudem auch noch die Ausgaben für das Pilgern.

2. Mittags Siesta machen

Falls du – gewollt oder nicht – doch erst spät losgekommen bist, oder auch falls du früh losgekommen bist und eine lange Etappe vor dir hast: Mach eine Pause mittags.

Such dir ein schattiges Plätzchen unter einem Baum, besorg dir vorher etwas zum Picknicken und dann ruh dich etwas aus, dös etwas, und genieße den Moment. Im besten Fall hast du ein wenig Wind, der zusätzlich geht und dir die Siesta versüßt.

Siesta

In diesem Moment freut man sich vielleicht auch darüber, einen leichten eBook-Reader mitgenommen zu haben und was zu schmökern zu haben.

Oder du lässt einfach deine Gedanken schweifen, genießt das Panorama und tust einfach mal „nichts“ zur Abwechslung.

Manch einer nimmt sogar eine Hängematte oder ein aufblasbares Sofa zum Ausruhen mit. Das ist natürlich eher denkbar, falls du mit dem Fahrrad pilgerst, auch wenn diese Sachen eigentlich nicht so viel wiegen.

3. Trinke viel! Trinke viel! Trinke viel!

Das kann man nicht oft genug sagen, wenn es wirklich heiß ist. Da du ja zudem sportlich aktiv bist und pilgerst, schwitzt du noch mehr, als jemand, der einfach den heißen Tag in seinem Garten sitzend verbringt.

Liquitainer TrinkblaseVersorg dich also gut mit Getränken vor dem Start der Etappe. Der Rucksack darf ruhig etwas schwerer sein. Das wird sich im Laufe des Tages entspannen, da du ja mehr und mehr trinkst und das Gewicht so reduziert wird.

Vermeide zu viele süße Getränke und – auch wenn es sehr verlockend ist – vermeide zu viel eiskalte Getränke. Bei letzteren muss der Körper zusätzlich Energie aufwenden, um das Getränk wieder auf Körpertemperatur zu bringen.

4. Packe Trinkblasen mit auf deine Packliste

Falls du dich fragst, wie du das am besten im Rucksack machst: Trinkblasen sind eine tolle Erfindung, denn sie sind faltbar. Im ungenutzten Zustand nehmen sie also kaum Platz weg.

Ausgefüllt bieten sie dagegen Volumen für 1, manchmal 1,5 l Flüssigkeit. Alternativ / oder zusätzlich kann ich dir zum Beispiel die Flaschen von 720°DGREE empfehlen. Die nutze ich selber und bin begeistert: Sie sind sehr leicht, aus Tritan, BPA-frei und nicht aus Plastik.

5. Achte auf die Markierungen bei Brunnen

BrunnenFalls du unterwegs Wasser aus Brunnen trinken möchtest und dich fragst, ob das geht: Es gibt in Spanien an einigen Brunnen Kennzeichungen. „Agua potable“ bedeutet „trinkbar“, „Agua no potable“ dementsprechend „nicht trinkbar“.

Im gelben Pilgerführer wirst du zudem in der Wegbeschreibung an manchen Stellen das Brunnen-Symbol finden, das dir auch nochmal bei der Suche nach Brunnen hilft. Meiner Erfahrung nach gibt es jedoch nicht so viele Brunnen mit Trinkwasser unterwegs, daher besser vorher selbst gut die Wasservorräte auffüllen.

Eine schöne Erfindung, mit der ich selbst aber noch keine Erfahrung habe, ist übrigens ein Wasserfilter. Damit bist du unabhängiger. Ansonsten, denk dran, du kannst auch unterwegs in Ortschaften dein Wasser wieder auffüllen.

Entweder du kaufst nochmal etwas zu trinken oder du füllst es zum Beispiel am Wasserhahn auf in einer Bar nach dem Toilettengang. Ich habe übrigens keinerlei schlechte Erfahrungen mit dem Trinkwasser in Nordspanien gemacht bislang.

6. Kopfbedeckung!

Sehr wichtig, da dein Kopf besonders empfindlich ist. Daher solltest du, wenn du im Sommer pilgerst, unbedingt eine Kopfbedeckung dabei haben. Ob das eine Kappe ist oder ein Sonnenhut, das sei dir überlassen. Du wirst dankbar sein, wenn du in der prallen Sonne pilgerst. Sonnencreme natürlich auch, am besten im kleinen Reiseformat.

7. Wähle kürzere Etappen

Wenn du weißt, es wird ein richtig heißer Tag, dann überlege, ob du gerade heute eine 30 Kilometeretappe machen musst. Womöglich kannst du deine Pläne auch ein wenig ändern und die Etappe etwas kürzer gestalten.

8. Erst abends groß essen

Es scheint sinnvoll, an richtig heißen Tagen erst abends warm und groß zu essen – dann aber richtig, um die Speicher wieder aufzufüllen. Übrigens bekommst du in Spanien oft auch um 22 Uhr noch ein Abendessen. Die Zeiten sind anders, vor 20 Uhr gibt es dagegen oft noch nichts.

Wenn du dir mittags schon ein Steak mit Pommes reinhaust, und dann weiterpilgerst, ist das vielleicht nicht unbedingt die beste Sache für deinen Körper. Daher tagsüber eher leichte Sachen: Früchte und viel Obst, Nüsse, vielleicht ein belegtes Baguette („bocadillo“).

Jakobsweg Früchte Obst Pause

9. Nutze das Zwiebelprinzip bei der Kleidung

Wenn du beim Packen und Vorbereiten mit deiner Packliste das Zwiebelprinzip beachtest, kannst du unterwegs immer gut auf die jeweilige Situation eingehen. Zwiebelprinzip bedeutet viele dünne Schichten statt einem richtig dicken Kleidungsstück. Beispiel: Funktions-T-Shirt, Longsleeve, dünne Fleecejacke.

10. Hör auf deinen Körper

Der wird dir sagen, was geht und was nicht geht. Wir dürfen nur lernen, ihn auch zu hören bzw. unser Bauchgefühl. In diesem Sinne: Buen Camino!

Wie sind deine Erfahrungen? Hast du noch Tipps? Teile es gerne in den Kommentaren mit!

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6 Gedanken zu „Jakobsweg im Sommer: 10 Tipps zum Pilgern bei Hitze

  1. Toller Artikel, Christoph. Ich bin im Hochsommer in Deutschland und Frankreich gepilgert und weiß daher, was Hitze bedeutet. Zwei Tipps hab ich noch: wenn genügend Wasser vorhanden ist, hilft es, die Kopfbedeckung oder den Kopf nass zu machen und so den Körper abzukühlen. Außerdem hilft es auch, beide Arme bis zu den Ellbogen in kaltes Wasser einzutauchen. Probier es gerne mal aus. Ansonsten kann ich dir in allen Punkten nur zustimmen! Liebe Grüße, Dominik

    • Noch mehr Kühlung gibt es, wenn man die Arme bis zu den Schultern eintaucht (oder halt so weit wie möglich). Habe ich als kleiner Junge von meinem grossen Bruder gelernt. :)

  2. Erfahrungen von meinen Jakobswegen 2016 und 2017.
    Eine Trinkblase wie in den Tips empfohlen hat Vor- und Nachteile: Man spart sich die lästige Wackelei der Wasserflaschen an der Seite des Rucksacks und das Wasser im Rucksack bleibt länger kühl als in den Flaschen. Der Nachteil ist, dass man sich leicht in der Menge des Wasservorrats verschätzen kann, da man nicht sieht, wie viel noch in der Trinkblase vorhanden ist. Seither weiß ich was Durst bedeutet! Mein Tip ist die Trinkblase mit einer Wasserflasche zu kombinieren und diese als Reserve zu verwenden. Die Wasserflasche sollte wie empfohlen, aus Leichtmetall sein, da eine Plastikflasche einen Sturz nur selten überlebt.
    Noch eine Bitte an alle Pilger und Pilgerinnen: Wenn ihr Wasser im Laden kauft, füllt dieses bitte in eure eigenen Behältnisse ab und werft die leeren Plastikflaschen in den Müll und nicht in die so schöne Landschaft, die nachfolgenden Pilger und die Bevölkerung wird es euch danken.

  3. Hallo Christoph, vielen Dank für all deine Tipps. War im Mai auf dem Camino Portuguez unterwegs. Habe mich im Vorfeld intensiv informiert, individuell gereist und alle Etappen von Zuhause aus mit Übernachtungen geplant und reserviert. Hat alles wunderbar geklappt. Ein Tip von mir, plant die ersten 3-4 Etappen etwas kürzer (um die 20-25km zum Einlaufen). Dannach geht es sich wie von selbst. Hab den Fehler gemacht, den Camino in 9 Etappen und die Ersten um die 30-40km. Da bilden sich recht schnell schmerzhafte Blasen. Zum trinken war ich täglich mit 5-6litern unterwegs. 2 Literflaschen morgens zum Start welche ich unterwegs an Brunnen oder Markets auffülte. Nochmals lieben Dank und Grüsse Walter https://youtu.be/lXcuDUHfz74

  4. Hallo Christoph, eine Frage an den erfahrenen Pilger: Ich werde den Jakobsweg von Porto nach Santiago laufen und habe einen Fahrradanhänger dabei, den ich schiebe. Nun wollte ich fragen ob es möglich ist diesen Anhänger auf den Portela Grande zu bringen? Gibt es sonst alternative Wege? Habt vielen Dank für Hinweise und Tipps! Merci
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