„Ich bin dann mal weg“ als Kino-Film: 3 Gründe, warum das gut ist

Ich bin dann mal weg als Kino-Film: 3 Gründe, warum das gut für den Jakobsweg ist & was du darüber wissen solltest.

2015 erobert der Jakobsweg das Kino. Einmal mehr, nachdem Dein Weg 2010 bereits viele Menschen für das Thema begeisterte. Zunächst kommt ein deutscher Dokumentarfilm auf die große Leinwand, indem es um die Geschichten von einzelnen Pilgern geht. Und dann wird Hape Kerkeling zu Weihnachten mit der Umsetzung des Bestsellers „Ich bin dann mal weg“ zum Kino-Film garantiert viele Kinozuschauer anlocken. Eine Lesung seines Werkes lässt sich in diesem Mitschnitt nacherleben.

Unter „alten Pilgerhasen“ und langjährigen Anhängern des Jakobswegs sorgte die Ankündigung verständlicherweise nicht nur für ausgelassene Freude: Viele befürchten einen erneuten Boom des Jakobswegs und sehen sich schon in überfüllten Pilgerscharen gen Santiago wandern.

Natürlich lehnt sich niemand zu weit aus dem Fenster, bei solchen Ereignissen einen erneuten Anstieg in den Pilgerzahlen zu prognostizieren. Und natürlich wird dies das nach innengekehrte Pilgern und die von vielen so sehr ersehnte Auszeit mit sich selbst auf dem Camino nicht gerade erleichtern. Und doch kann man auch in Zukunft noch ein ruhiges Pilgererlebnis auf dem Jakobsweg haben, wenn man einige Dinge beachtet, wie ich in meinem neuen eBook aufzeige.

Auch wenn ein Teil von mir alle oben genannten Befürchtungen und Reaktionen ebenso abnickt: An dieser Stelle möchte ich trotzdem auch einmal die andere Seite des Themas beleuchten und eine Gegenthese in die Diskussion werfen: „Ich bin dann mal weg“ im Kino birgt nämlich auch viel gutes Potenzial in sich und sollte nicht nur einseitig betrachtet werden. Warum?

  • Wie wir alle mitbekommen haben, steht es alles andere als gut um den Arbeitsmarkt in Spanien. Allen voran die jungen Menschen haben dort unglaublich schlechte Perspektiven. Ein Boom des Jakobsweges kann da zumindest einen kleinen Beitrag leisten, Arbeitsplätze und Orientierung zu schaffen. Neue Herbergen und Unterkünfte sowie die Bewirtschaftung entlang des Weges bringen Geld und Perspektiven.
  • Uns Deutschen geht es dagegen eigentlich ziemlich gut. So gut, dass wir auch schon wieder krank werden. Weil null Bewegung und 12 Stunden Bildschirm am Tag eben irgendwann auch von Luxus in Depression kippen können. Eine mehrwöchige Wanderung an der frischen Luft bei Wind und Wetter kann sehr erdend sein. Wir bekommen wieder das Gefühl, selbst unser Leben in der Hand (bzw. am Fuß) zu haben. Zugleich machen uns die Naturgewalten deutlich, dass wir doch nicht so wichtig sind, was sich – erstaunlicherweise – gut anfühlt. Statt Pillen, Therapien und Klinikaufenthalten kann der Jakobsweg eine sehr günstige und gesunde Alternative sein, wieder mehr zu sich zu kommen. Vielleicht werden einige Menschen auf diese Weise darauf aufmerksam.
  • Neben dem populären und „idiotensicheren“ Camino Francés gibt es noch eine Reihe anderer Jakobswege und Alternativen, von denen die wenigsten wissen. Es müssen nicht immer nur die letzten 100 Kilometer im Hochsommer nach Santiago sein. Pilgern kann viel mehr bedeuten, was Vielen vielleicht erst du das notgedrungene über den Tellerrand schauen angesichts des Booms klar wird und wofür sie im Nachhinein vielleicht sogar dankbar sind. Der Küstenweg, der Camino Portugues und der Camino Primitivo sind dabei nur drei von vielen empfehlenswerten Alternativwegen.

Wenn also ein Kinogänger nach dem Filmerlebnis auf den Jakobsweg pilgern geht und dort einem Spanier mit einem Strahlen im Gesicht nach einer langen Tageswanderung Geld gibt, um bewirtet zu werden, dann hat das auch etwas Gutes. In dem Sinne ist die Umsetzung von „Ich bin dann mal weg“ als Kino-Film nicht nur negativ zu betrachten.

Was ist deine Meinung dazu?

 

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2 Gedanken zu „„Ich bin dann mal weg“ als Kino-Film: 3 Gründe, warum das gut ist

  1. Pingback: Interview zum neuen Kino-Film “Camino de Santiago” | Jakobsweg-Küstenweg

  2. Lieber Christoph, liebe Leser,
    ich finde Deine oben genannten Gründe gut, nachvollziehbar und auch weitsichtig.
    Und möchte darüber hinaus noch hinzufügen, was ich in etlichen Gesprächen und Beobachtungen auf dem Jakobsweg erfahren habe:

    Auf dem Jakobsweg kommen wir Deutschen oder auch Österreicher, denen es – wie Du oben richtigerweise schreibst – ziemlich gut geht, in Kontakt mit vielen Einheimischen (ich spreche jetzt hier bewußt von der Landbevölkerung, nicht von den Menschen in Großstädten, denn der Jakobsweg führt ja in weiten Teilen übers Land).
    Die meisten davon sind extrem freundlich und vor allem sehr bemüht, Pilgern etwas Gutes zu tun. Sehr viele von ihnen arbeiten 6-7 Tage in der Woche und haben deutlich weniger Urlaub als das, was in der dt. Arbeitsgesetzgebung als Mindestanspruch verankert ist.
    Das nur mal so als Gegenpol zu den „Stammtischparolen“, in denen über DIE faulen, Spanier, Portugiesen und Griechen geschimpf wird. Als Pilger haben wir ja genügend Gelegenheit festzustellen, dass jeder so sein Päckchen zu tragen hat, und wie schwer das ist, sieht man ja bekanntermaßen von außen nicht.

    Herzliche Grüsse von
    Christina

    http://www.weg-zurueck-ins-leben.de

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